Donnerstag, März 31, 2005

Hoehe des Stammkapitals als Pflichtangabe auf Briefboegen.

Die Sprüche der Politiker-Plage, sie wollten Bürokratie abbauen, kann ich nicht mehr hören. Tatsächlich machen sie immerzu das Gegenteil. Angeblich überlegen sie zur Zeit, den GmbHs vorzuschreiben, auf den Geschäftspapieren auch die Höhe des Stammkapitals anzugeben. Dies sei Teil der geplanten "Reform", das Mindestkapital von GmbHs (zur Zeit noch 25.000 Euro) auf 1 Euro abzusenken (Quelle: Printausgabe von Guter Rat, Ausgabe 4/2005). Damit soll verhindert werden, daß immer mehr Unternehmen die Form einer britischen Limited wählen, deren Gründung billiger ist.

Wir erinnern uns: Seit einigen Jahren muß auf Geschäftspapieren nicht nur der Firmennamen, die Rechtsform, der Sitz der Gesellschaft, das Amtsgericht des Handelsregisters, die Handelsregisternummer, die Namen sämtlicher (auch stellvertretender) Geschäftsführer (mit mindestens einem Vornamen), ggf. der Vorsitzender des Aufsichtsrats angegeben werden, sondern auch die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Zum 1. Januar 2004 (mit einer Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2004) muß zudem auf Rechnungen eine fortlaufende Rechnungsnummer angegeben werden (sieeh dazu "Notwendige Bestandteile an eine Rechnung").

Und jetzt auch noch diese völlig überflüssige Angabe, die keinen Informationswert besitzt, denn die Höhe des Stammkapitals sagt tatsächlich nicht einmal bei frisch gegründeten GmbHs irgendetwas aus über die aktuelle oder zukünftige Zahlungsfähigkeit. Die Fiktion des GmbH-Gesetzes, das Stammkapital bzw. die Hälfte des Stammkapitals, die bis zum Antrag auf Eintragung in das Handelsregisters eingezahlt worden sein muß, stünde Gläubigern zur Begleichung von Verbindlichkeiten des gegründeten bzw. in Gründung befindlichen Unternehmens zur Verfügung, ist eine Schimäre. In Wirklichkeit gibt kein halbwegs vernünftiger Lieferant und keine Bank einer GmbH auf dieses GmbH-Vermögen einen Kredit (unabhängig von seiner Höhe), wenn die Gesellschafter oder der geschäftsführende Gesellschafter nicht eine zusätzliche persönliche Sicherheit stellt oder man im regionalen oder Branchenumfeld darauf vertraut, daß er notfalls persönlich für Verbindlichkeiten der GmbH gerade steht.