Dienstag, März 15, 2005

Hotelbetten: Ein Euro mehr schafft Gewinn und Jobs.

Die Hotelpreise in Deutschland sind so niedrig wie nirgends sonst in Europa - und das schon seit Jahren. Das sei der Branche zwar bewusst, kritisierte Stephan Gerhard, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Treugast am Sonntag auf der Veranstaltung "ITB aktuell ? das Gespräch mit der Presse". Doch obwohl die Nachfrage in Deutschland 2004 wieder gestiegen sei (Hotelübernachtungen: plus 5 %), wagten die Betreiber noch immer nicht, an der Preisschraube zu drehen. Aber nur so könnten die Gewinne erhöht werden. Folglich forderte Gerhard die Branche auf:
"Hebt die Preise an, und zwar flächendeckend um einen Euro pro Nacht pro Bett."
Mit diesem "Ein-Euro-Deal", wie ihn Gerhard nennt, könnte die Hotellerie in Deutschland ihren Gewinn um 130 Millionen Euro steigern - und wäre im internationalen Preis-Leistungs-Verhältnis noch immer "führend". Die großen Konzerne müssten voran gehen, die Mittelständler nachziehen. Doch Gerhard räumte ein: "Es wird schwierig werden, den Ein-Euro-Deal als konzertierte Aktion durchzuziehen, ohne dass sich die Behörden einmischen." Es bleibe aber die Botschaft: "Macht die Preise, die ihr braucht, und nicht nur Niedrigstpreise."

Den Hotels, so der Unternehmensberater weiter, bleibe aber nur das Instrument "Pricing", um ihre Situation zu verbessern. In den vergangenen - schlechten - Jahren seien die Kosten bereits optimiert, die Qualität gesteigert und die Auslastung erhöht worden. Und der Druck werde in den nächsten Jahren weiter steigen, schließlich würden weitere Hotels gebaut. Berlin beispielsweise würde "gewaltig zugepflastert" mit Hotelbetten: 30 neue Projekte seien geplant. Im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 würden diese Kapazitäten zwar auch ausgelastet, vermutet Gerhard. Aber: "Was 2007 sein wird - davor haben alle Angst."

Neben einer Anpassung beim Pricing empfahl der Treugast-Geschäftsführer der Hotellerie, ihre Verträge zu ändern. Investoren verlangten bisher feste Pachtverträge, um ihre Renditen zu sichern. Bei den Hotels entstünden daraus aber oft Dauerschulden. Deshalb sollten sie in Zukunft vor allem Verträge mit geringen Garantien oder Managementverträge abschließen. Dadurch seien die Investoren am Ergebnis der Hotels beteiligt und zeigten ein ganz anderes Interesse und Verständnis - unter anderem auch für höhere Preise.

Treugast stellte außerdem am Sonntag wieder das Investment-Ranking vor, das die leistungsfähigsten in Deutschland tätigen Hotelbetreiber auszeichnet. Ergebnis: An der Spitze bleiben Marriot, Accor Hotellerie Deutschland und ArabellaSheraton. "Das sind die Spitzenansprech¬adressen für deutsche Investoren", so Geschäftsführer Gerhard. Der US-Bettengigant Marriot, der im Vorjahr auf dem zweiten Platz gelandet war, betreibe eine klare Markenpolitik, einen effektiven Vertrieb und eine Preispolitik, die auf Steigerungen angelegt sei.

Accor konnte am Sonntag noch eine weitere Auszeichnung verbuchen: Dem deutschen Anbieter wurde der neu geschaffene Preis mit dem Titel "Most Wanted Investment Partner - Treugast Award 2005" verliehen. Als Grund für die Auswahl erklärte Treugast-Chef Gerhard, dass das Unternehmen 2004 der "beliebteste Partner für Neueröffnungen in Deutschland" gewesen sei und im Investment-Ranking seit Jahren einen der Spitzenplätze einnehme. (Quelle: Pressemitteilung der Internationalen Tourismusbörse Berlin).