Dienstag, März 15, 2005

"Hurra! Die Chinesen kommen" - Tipps für deutsche Gastgeber.

Mancher deutsche Gastgeber sollte beim Besuch chinesischer Delegationen und Touristengruppen genauer auf die Sitzordnung bei Lunch oder Dinner achten, und Politiker aus Deutschland sollten bei Besuchen in Beijing oder Shanghai nicht nur über Industrie und Investitionen reden, sondern auch über deutsche Kultur und touristische Reize. Dann würden noch erheblich mehr Gäste aus dem Reich der Mitte Deutschland besuchen. Das wurde auf dem ITB Kongress Market Trends & Innovations in Berlin beim Seminar "East goes West - Chinesische Touristen entdecken Deutschland" unterstrichen. Experten aus beiden Ländern gaben Gastgebern in der Fremdenverkehrsbranche Tipps, um Marktchancen in Deutschland zu nutzen und "Fettnäpfchen zu vermeiden".

Händeschütteln akzeptieren Chinesen, aber "schütteln Sie nicht zu kräftig, bei Damen möglichst sanft", sagte Referentin Heidy Loeff-Krausch. Die gebürtige Niederländerin offeriert mit ihrer Pro Train GmbH Events und Training auch zu dieser Thematik. Bei einem Essen für eine Reise- oder Geschäftsgruppe sollte der Leiter der Delegation immer direkt rechts neben dem Gastgeber platziert werden. Die Besucher könnten dies sonst als Geringschätzung interpretieren.

Touristen aus dem Land der Mitte schätzen neben deutscher Kultur, Architektur und landwirtschaftlichen Reizen vor allem auch Autos, Bahnen und Elektronik, aber auch Bier und Fußball aus Germany, erläutert Dr. Yu Zhou-Brock. Sie stammt aus Beijing und ist Dozentin an der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef/Bonn. Die Expertin rät den Deutschen, für chinesische Besucher auch mal den Besuch des BMW-Museums oder einer Brauerei zu organisieren. Wenn ein Hotel- oder Firmenchef für Shopping-Touren der Gäste in guten Kaufhäusern und Läden einen charmanten Begleiter zur Seite stellt, kann er damit viele Freunde gewinnen. Chinesen kaufen auf Reisen in der Regel gut und teuer ein - auf keinen Fall Nachahmungen oder Ramsch. Generell gilt, wie Zhou-Brock sagt:
"Wir Chinesen beschweren uns in der Regel nicht, auch wenn wir dazu Grund hätten: Chinesen wollen Harmonie. Sie kommen dann aber oft einfach kein zweites Mal."
China gewinnt als Destination und als Quellenland im internationalen Tourismusgeschäft immer mehr an Bedeutung. Frankreich stellt sich auf die Gästewelle aus Asien offenbar besser ein als Deutschland, wurde auf dem Seminar betont. Die Franzosen feiern mancherorts inzwischen das chinesische Neujahr und haben große französisch-chinesische Feste, über die im Land der Mitte umfangreich berichtet wird. Das bestätigt auch Prof. Monika Echtermeyer, ebenfalls von der Fachhochschule in Bad Honnef. Sie sagt:
"Ich wünsche mir, dass deutsche Gäste in China auch viel mehr über Kultur und Tourismus reden, wie es Besucher aus anderen Ländern aus Europa machen."
Die vielfältigen Möglichkeiten des deutschen Fremdenverkehrs würden leider viel zu sehr vernachlässigt. Deutschland hat nach den Worten von Echtermeyer noch viele Chancen, dass der Slogan "Hurra! Die Chinesen kommen" immer wichtiger wird. (Quelle: Pressemitteilung der Internationalen Tourismusbörse Berlin).