Mittwoch, April 20, 2005

Benediktiner.

Daß der reaktionäre deutsche Kardinal Ratzinger, den jetzt alle als Benedikt XVI über den grünen Klee loben, sich ausgerechnet den Namen des Heiligen Benedikt von Nursia gegeben hat, verwundert mich denn doch. Benediktiner-Mönche sind dem Leben doch sehr zugewandt. Z.B. wurden und werden in oder für die Finanzierung von Benediktiner-Klöstern Bier gebraut, u.a.Auch das "Organisationshandbuch" der Benediktiner-Klöster, die "Die Regel des Heiligen Benedikt", spricht für eine dem Leben zugewandte Geisteshaltung. Ich schmökere gerne darin, weil man darin mehr lernen kann als in vielen neuzeitlichen Management-Lehrbüchern. Man muß sich anfangs natürlich in die alterstümliche Sprache einlesen und die damaligen Verhältnisse auf unsere heutige Zeit übertragen. Mein Tipp: Bestellen Sie sich dieses Werk und lernen Sie daraus: "Die Regel des Heiligen Benedikt". Sie können sich natürlich auch das Buch "Finde das rechte Maß" von Anselm Bilgri und Konrad Stadler dazu nehmen, in dem die "Regel" auf heutige Verhältnisse adaptiert wird.

Ein Beispiel ist die Regel 23 über das angemessene Verhalten eines Vorgesetzten (Abts) bei einer Verfehlung eines Mitarbeiters (Mönchs):
"Das Vorgehen bei Verfehlungen
  1. Es kommt vor, dass ein Bruder trotzig oder ungehorsam oder hochmütig ist oder dass er murrt und in einer Sache gegen die Heilige Regel und die Weisungen seiner Vorgesetzten handelt. Wenn er sich so als Verächter erweist,
  2. werde er nach der Weisung unseres Herrn einmal und ein zweites Mal im geheimen von seinen Vorgesetzten ermahnt.
  3. Wenn er sich nicht bessert, werde er öffentlich vor allen zurechtgewiesen.
  4. Wenn er sich aber auch so nicht bessert, treffe ihn die Ausschließung, falls er einsehen kann, was die Strafe bedeutet.
  5. Wenn er es aber nicht versteht, eine körperliche Strafe.
"
Hat nicht jeder von uns schon mal erlebt, wie bei einem Kollegen ein Chef einen Mitarbeiter coram publicum "zur Sau" gemacht hat? Ein klarer Verstoß gegen Regel 23...