Samstag, April 16, 2005

Frank Newbould.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommen zwei bahnbrechende Erfindungen dem Reiseverkehr und damit dem gesamten Hotel- und Gaststättengewerbe zugute: die Dampfschiffahrt und die Eisenbahn. 1827 wird die Rheinische Dampfschiffahrtsgesellschaft gegründet, ab 1834 entstehen Eisenbahnlinen, die erste deutsche Fernbahn Leipzig nach Dresden 1836-1839, gefolgt von einer Gründungswelle von Eisenbahnaktiengesellschaften 1842-1847. Hinzu kam ein neues Naturgefühl: Claude Monet gibt mit seinem Bild "Impression: Sunrise" (Museum Marmottan, Paris; 1872) den Impressionisten ihren Namen, die sich gegen die dunkle Farbpalette der Ateliermalerei mit ihrer unnatürlichen Beleuchtung wehrten und der Freilichtmalerei zuwandten.

Angeregt durch Schriftsteller der Romantik sahen die Menschen in Bergen und Flüssen nicht nur mehr beschwerliche Hindernisse sondern Naturschönheiten und Ausflugs- und Reiseziele. Karl Baedeker kaufte die Verlagsrechte des Buches von Prof. J. A. Klein "Rhein-Reise von Mainz bis Köln", brachte es auf den neuesten Stand und veröffentliche 1839 den ersten Baedeker's Reiseführer, der dank persönlicher Recherche vor Ort zuverlässig über Fahrpläne, Rastmöglichkeiten und Gasthäuser informierte.

Der "Pullman car diner", vollständige Mahlzeiten für Eisenbahn-Fernreisende, und zu Gourmetrestaurants ausgebaute dampfbetriebene Flußschiffe sind amerikanische Konzeptionen. Sie entstammen einer vergangenen Zeit, in der man sich durch Essengehen sozial abgrenzen konnte und Restaurants dazu tendierten, sich durch die Speisenzubereitung, das Dekor und einen perfekten Service zu profilieren. Die "Riverboats" profitierten auch von Ausnahmeregelungen von der Prohibition. Die ersten Speisewagen tauchten in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf. George M. Pullman, der 1858 begonnen hatte, Schlafwagen zu bauen, entwickelte 1868 auch seinen luxuriösen Speisewagen. Nach 1900 wurden diese Wagen verkauft und als stationäre Restaurants umgenutzt. In den 20er und 30er Jahren wurden sie, teilweise im Art Deco-Stil, platziert am Straßenrand, als "Diner" zu Symbolen der Motorisierung der amerikanischen Gesellschaft.

Werbeplakate für Reisen haben parallel zur Entwicklung des Reiseverkehrs eine erstaunliche Entwicklung genommen. Im 19. Jahrhundert kombinierten sie mehrere Bilder und Texte, waren im wesentlichen informativ. Zu Beginnn des 20. Jahrhunderts vereinfachten d?Alesi in Frankreich, Cardinaux in der Schweiz, Hohenstein in Italien die Plakate. Sie bestanden nur noch aus einer Abbildung, weniger Details und waren dramatisch zugespitzt. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelten A. M. Cassandre und seine Schüler Fix-Masseau, Tom Purvis und Frank Newbould in Großbritannien Plakate in Richtung einer symbolhaften Sprache. Siehe dazu: "Posters of the Golden Age of Travel 1900 ? 1940", in: Postershow.com.

Der englische Maler Frank Newbould, geboren am 18. März 1912 in Sheffield, starb im Alter von 85 Jahren. Von ihm stammt eine Werbeplakat für eine Reise nach Berlin, in der im Vordergrund einige Personen im Café unter den Linden zu sehen sind:
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Berlin
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