Samstag, April 23, 2005

SPD-Ausverkauf.

Nur noch ein paar Wochen bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Irgendwie verstehe ich Strategie und Taktik der Wahlkampfführung der SPD nicht so recht. Ein paar Beispiele:
  • Die letzten beiden Pressemitteilungen der SPD Nordrhein-Westfalen (Schartau: Rüttgers verletzt die Gefühle vieler gläubiger Menschen" und "Edgar Moron: Jürgen Rüttgers hat sich als CDU-Spitzenkandidat endgültig disqualifiziert") greifen den Oppositionsführer persönlich und direkt an. Dabei habe ich gelernt, daß man als Regierungspartei die Erfolge der Arbeit der letzten Jahre herausstreichen und versuchen sollte, den höheren Bekanntheitsgrad des Regierungschefs und seinen Bonus zu erhalten. Den Opposiitonsführer namentlich nennen und persönlich anzugreifen, ist das Verkehrteste, was man machen kann. Zumal wenn man ihn eher als Weichei und Wackelpudding einschätzt. Nageln Sie mal einen Wackelpudding an die Wand... Hat die SPD nichts aus Schleswig-Holstein gelernt und dem Scheitern der Diffamierungskampagne gegen Peter Harry Carstensen?
  • Meines Erachtens sollte man Werbemittelrestposten nicht mehr öffentlich anbieten. So kann man sich eine Kaffeetasse mit dem Logo "Kampa02" bestellen. Statt 20,50 Euro kosten sechs Stück davon "nur" noch 7,00 Euro. Man offenbart damit doch nur, daß man sich seit drei Jahren bemüht, den Mist loszuwerden. Zur Erinnerung: "Kampa" war das Konzept, den Bundestagswahlkampf 2002 nicht durch unfähige Parteifunktionäre, sondern durch Wahlkampf-Profis führen zu lassen. Aus der Serie "Kampa0" gibt es auch noch einen Koffer, eine Postkarte und ein Pin. Mein Tipp: Einlagern bis 3002. Auch der Europawahlkampf 2004 hat seinen Dreck hinterlassen, z.B. eine Europa-Jacke".
  • Wenn man aktuell eine ausländerfeindliche Kampagne führt und dem ausländischem Proletariat den Zugang zu Arbeitsplätzen in Deutschland verwehren will, macht es sich nicht gerade gut, wenn man Werbemittel im Ausland herstellen läßt. Der Kampa02-Porzellanbecher ist z.B. im tschechischem Karlsbad hergestellt worden. Gibt es nicht auch deutsche Porzellanfabriken, in denen deutsche Arbeiter mit deutschen Händen werkeln und deutscher Schweiß fließt?
  • Ideal für 1-Euro-Jobber und Arbeitslosengeld II-Bezieher sind die auf 3 Euro herabgesetzten SPD-Shirts. Es gibt sie auch in blau. Leider wird nicht beschrieben, ob man das SPD-Logo rückstandslos entfernen kann. Auch die Gummibärchen, herabgesetzt auf 35 Euro für 450 Tüten, sind ein Schnäppchen, von dem man sich tagelang ernähren kann, wenn keine Rumford-Suppe bereit steht. Leider fehlt die Angabe der Mindesthaltbarkeit und das Füllvolumen.
  • Noch nicht verramscht wird eine CD Lieder der deutschen Arbeiterbewegung. Dazu fällt mir die nette Geschichte ein, daß im Koalitionsausschuß am letzen Montag die Grünen Franz Müntefering angeboten haben, gemeinsam ein paar Lieder der Arbeiterbewegung zu intonieren. Wegen seiner Klassenkämpfer-Maskerade wurde Franz Müntefering am 21. April 2004 auch von Harald Schmidt verspottet. Vor dem Hintergrund eines roten Banners mit den Köpfen von Marx, Engels, Lenin und Müntefering hat Harald Schmidt die Internationale gesungen und zwar alle Strophen und mit geballter Faust. Der französische Originaltext stammt von Eugene Pottier, der sie auf der Flucht vor den Versailler Truppen nach der 'Blutwoche' der Pariser Commune 1871 schrieb. Er beschwört den Aufstand derjenigen, die nichts mehr zu verlieren haben, ist also der SPD von heute auf den Leib geschrieben.