Samstag, April 02, 2005

Warum junge Betriebe scheitern.

Im IAB-Forschungsbericht Nr. 13/2005 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit "Das Scheitern junger Betriebe. Ein Ueberlebensdauermodell auf Basis des IAB-Betriebspanels" von Oliver Falck werden die Auswirkungen sektoraler, regionaler sowie betrieblicher Determinanten auf das Scheitern junger Betriebe mit Hilfe eines oekonometrischen Ueberlebensdauer-Ansatzes analysiert. Dabei findet ein accelerated failure time model mit zugrunde liegender log-logistischer Verteilung Anwendung. Datengrundlage bildet das IAB-Betriebspanel, eine repraesentative Betriebsbefragung des IAB. In die Analyse gehen junge Betriebe im privaten Sektor (westdeutsche Bundeslaender, Zeitraum 1993-2002) ein. Dieser Forschungsbericht kann kostenlos heruntergeladen werden (PDF, 564 KB).

Daß die Branche, in der Existenzen gegründet werden, wichtig ist für den Erfolg, hat sich inzwischen herumgesprochen. Ganze Branchen stehen auf den schwarzen Listen von Banken, die sich leider und dummerweise vielfach auch weigern, Business-Konzepte von Existenzgründern aus der Gastronomie mit spitzen Fingern anzufassen.

Der Forschungsbericht zeigt, daß das regionale Umfeld einen wesentlichen Einfluß auf die Überlebenswahrscheinlichkeit junger Betriebe hat. Dies ist zwar trivial (jeder Mecklenburg-Vorpommer, der in Oberbayern, Schwaben oder Österreich einen Job sucht, weiß dies Lied zu singen), wird aber in der branchenzentrierten Diskussion um Erfolgsaussichten von Gründern weitgehend ausgeblendet. Es wird meist mehr diskutiert, ob und mit welchem Konzept man ein Unternehmen gründen sollte als wo. Dabei sind die Standortkriterien nicht nur in bezug auf den Mikrostandortentscheidung (in welcher Straße, welchem Stadtteil) sondern auch bei der Makrostandortentscheidung (in welchem Staat, in welcher Region, welcher Stadt) entscheidend. Doch die meisten Existenzgründer sind genauso immobil wie Arbeitslose. Man überlegt sich zwar, ob man einen Coffeshop oder einen Sandwich-Laden aufmachen will, aber nicht ob der eigenen Wohnort wirklich dafür optimal ist. Andererseits liegt die Beschränktheit auch nahe: in der vertrauten Umgebung kennt man die Zielgruppen besser und findet leichter Kontakt zu Lieferanten und Geldgebern, hat Freunde, Bekannte und Verwandte, die helfen können.

An diese Forschungsergebnisse müßte sich eigentlich eine politische Debatte mit erheblicher Sprengkraft anschließen. Wenn Existenzgründungen vor allem in solchen Regionen erfolgversprechend sind, die wirtschaftlich florieren, liegt die tatsächliche Förderpolitik völlig daneben, denn sie bietet erhebliche Anreize, in wirtschaftlich schwachen Regionen zu gründen, z.B. in den neuen Bundesländern.