Montag, Juni 13, 2005

Lebensmittellieferdienste.

Vor Jahren schwadronierten viele von den Möglichkeiten, Lebensmittel des Alltagsbedarfs per Internet an private Haushalte zu vertreiben. Man übersah die Schwierigkeiten:
  • differenzierte Lagertemperaturen von Lebensmittel, die gekühlt oder gar tiefgekühlt werden müssen,
  • daß Privathaushalte tagsüber häufig nicht zu Hause sind,
  • Eingangslager (insbesondere mit Tiefkühl- und Kühlmöglichkeiten) fehlen, in die bei Abwesenheit Lebensmittel abgestellt werden können.
Kein Wunder, daß diese Idee floppte und viel Geld in den Sand gesetzt worden ist.

Doch jetzt gibt es neue Versuche. Sie bauen aber nicht auf Lieferdienste des Lebensmittelgroß- und -einzelhandels, vielmehr erweitern und vernetzen sie die meist bestehenden Lieferdienste gastronomischer Betriebe: "Ordering Takeout Online: A Dot-Com Idea Returns for a Second Try" von B'ob Tedeschi, in: New York Times vom 13. Juni 2005.

Die erwähnten Anbieter in den USA:Bei Seamless Web wird von den gastronomischen Betrieben eine Gebühr von 5 bis 15 Prozent verlangt. Primäre Zielgruppe sind weniger die privaten Haushalte als Menschen am Arbeitsplatz. Wenn man über die Übertragbarkeit solcher Geschäftskonzepte nach Deutschland diskutiert, sollte man dabei nicht vergessen, daß dieses Marktsegment in Deutschland in den größeren Betrieben von Betriebskantinen abgedeckt wird.

Aus gastronomischer Sicht ist diese Gebühr erträglich. Nicht nur, weil die Margen in der Gastronomie höher sind als im Einzelhandel. Es kann auch gelingen, Kunden zu animieren, zukünftige Käufe direkt (etwa per Website des Restaurants) zu tätigen, so daß dafür keine Gebühren der Marktplätze / Vermittler mehr anfallen. Genauso machen es ja auch viele professionelle Händler bei eBay. Die Kunden kaufen eine Antiquität oder eine Flasche Wein und nehmen Kontakt auf zu dem Anbieter, der ihnen sagt, wo sie mehr davon kaufen können, also auf der Website des Verkäufers oder vor Ort in seinem stationären Geschäft. Ein befreundeter Antiquitätenhändler hat z.B. eine Truhe nach Italien verkauft. Der Italiener hat sie per LKW abgeholt und gleich das ganze Fahrzeug vollgepackt.

Diese hohe Transaktionsgebühr zeigt auch, warum Lieferdienste des Lebensmittelhandels scheitern mußten. Die Umsatzrendite ist dort viel zu gering. Und die Bereitschaft der Kunden, höhere Preise als in den Lebensmittelläden zu zahlen, also wirtschaftlich gesehen, die Transaktionsgebühren zu zahlen, ist gering.