Dienstag, Juni 28, 2005

Menschenwuerde.

Die ehemalige Bundestagskandidatin des Kommunistischen Bundes Westdeutschland und jetztige sozialdemokratische Bundesministerin für Gesundheit und Soziales Ulla Schmidt sagte auf einem Kongress der SPD-Bundestagsfratkion in Berlin, es sei ein "Anschlag auf die Menschenwürde", wenn jeder zweite Betrieb Ältere nur mit Beihilfen oder Subventionen einstellen wolle (Quelle: "Schmidt kritisiert Einstellungspraxis vieler Unternehmen bei Älteren ", in: Netzeitung vom 28. Juni 2005).

Der Genossin gelingt es nicht davon ablenken, daß die Politik aber auch die Tarifvertragsparteien Rahmenbedingungen geschaffen haben, die es Unternehmen ratsam erscheinen lassen, eher Jüngere einzustellen, z.B.
  • müssen Unternehmen bei einer Sozialauswahl bei betriebsbedingten Kündigungen das Lebensalter als ein Kriterium berücksichtigen. Wer ältere Arbeitnehmer einstellt, riskiert, Jüngere zuerst entlassen zu müssen.
  • Die Verpflichtung zur Zahlung von Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle führt in Verbindung mit zu erwartenden höheren Krankheitsquote von älteren Arbeitnehmern zu höheren Personalnebenkosten.
  • In diversen Manteltarifverträgen sind für ältere Arbeitnehmern höhere Leistungen zugesagt, etwa ein verlängerter Urlaubsanspruch.
So verwundert es nicht, daß nur wenige Unternehmen gezielt ältere Arbeitnehmer einstellen. Und wenn, dann nur, um für ihr nach schnellem Wachstum mit allzuviel jüngeren Arbeitnehmern bestücktes Unternehmen gezielt mit einigen älteren Mitarbeitern auszutarieren, so der Automobilzulieferer Brose (siehe dazu "Senioren gesucht", in: Spiegel vom 17. Juni 2004). Prof. Dr. Hans-Werner Sinn hat deshalb vorgeschlagen, ältere Arbeitnehmer sollten weniger verdienen, damit deren verringerte physische Leistungsfähigkeit wieder in Einklang kommt mit ihren Löhnen ("Ältere Arbeitnehmer sollen weniger verdienen", in: Spiegel vom 20. Juni 2005).