Dienstag, Juni 14, 2005

Virtuelle Kneipen.

Sehr früh in der Entwicklung des Internets ist die Vorstellung virtueller Kneipen entwickelt worden. Die Website ElCafé ("Elektronisches Café") (der Links führt ins Internet Archiv, die Website www.elcafe.com selbst existiert nicht mehr) ist im März 1994 die erste ihrer ARt auf dem europäischen Kontinent gewesen. Seit 1997 existiert das Café Nirwana, das sich aus der Mailbox "Villa Maria" seit 1992 entwickelt hat. Diese Box war aufgebaut wie ein virtuelles Häuschen, mit heute vorsintflutlich anmutenden ANSI-Menüs, aber immerhin schon aufgeteilt in Räume wie "Foyer", "Küche", "Der Blaue Salon" etc. Zur ihrem Konzeption des "Café Nirwana" schreibt Olivia Adler:
"Als ich überlegte, wie das Netz in Zukunft aussehen könnte, kam mir ein Ort in den Sinn, ähnlich einem Wiener Kaffeehaus: das 'Café Nirwana'. Ein Ort, an dem sich Menschen aus aller Welt treffen und miteinander reden, ein Ort mit vielen Stammgästen, ein Stück Heimat in den Weiten von Cyberia, der virtuellen Welt... Ich hoffe, daß dieser Platz zu einer virtuellen Heimat werden kann, zu einem Treffpunkt, einem Forum, ein Spiegelbild der Welt und der Menschen da draußen."
In den letzten Jahren hat sich die Szene stark gewandelt. Mittlerweile sind ganze Welten als Online-Spiele geschaffen worden. Sie sind so besucherstark, daß sie zunehmend gerne benutzt werden, um in der virtuellen Realität der Spielwelten Werbung zu machen für Produkte und Dienstleistungen der realen Welt. Bernd Röthlingshöfer stellt in seinem Blog einen Buchautor vor, der ergänzend zu einer Präsentation seines neuen Buches in der realen Welt sein Buch in einem Online-Spiel vorstellt: "Virtuelle Werbung: Buchvorstellung im Computergame".

Auch die parallele Existenz einer Kneipe im Fernsehen und im Internet ist bereits realisiert worden, etwa die Strandbar Übersee in Köln, eine Location der Daily Soap "Unter uns" des RTL.

Als Voreröffnungswerbung eignen sich virtuelle Kneipen, die vorab informieren und besser noch den Prozeß der Entwicklung vor der Eröffnung (Planungsprozess, Bauprozess usw.) dokumentieren. Sehr schön hat dies das Subway in Dresden gemacht, natürlich in Form eines Weblogs.

Was es noch nicht gibt (oder ich kenne es nicht), sind wirkliche Gaststätten, die als Treffpunkte virtueller Gemeinschaften entstanden sind. Selbst mitgliederreiche Gemeinschaften wie das OpenBC oder Meetup schaffen es bestenfalls, Gaststätten ab und zu zu füllen.