Mittwoch, Juni 08, 2005

Zielgruppenspezifische Vermarktung von Destinationen.

Die Tourismusbehörde Pennsylvenias habe drei Blogger engagiert, einen Online-Reiseführer in Form eines Blogs zu schreiben, meldet die Netzeitung am 8. Juni 2005: "Pennsylvanias Tourismusbehörde engagiert Blogger".

Besonders gefällt mir die zielgruppenspezifische Ausrichtung. "Elliot macht eine Mountainbike-Tour durch die Wälder, Robert besucht Denkmäler und Schlachtfelder, Tom berichtet von drei verschiedenen Motorrad-Trips."

Deutsche Destinationen überlassen derlei Aktivitäten dem Zufall oder Dritten, die solche Themen selbst entdecken, in der Regel mehr interessiert an den Bedürfnissen der Zielgruppen als an Marktschreierei für die Urlaubsregionen. So hat der Bamberger Bildjournalist, Buchautor und Weltabenteuerer Norbert Blank gerade ein Buch "Kanutouren in Bayern" veröffentlicht mit den schönsten Ein- und Mehrtagesfahrten aller Schwierigkeitsgrade auf Bayerns Flüssen und Seen und mit praktischen Tipps.

Nun kann man den regionalen Destinationsvermarktern Bayerns und Frankens nicht gerade vorwerfen, sie würden nicht erkennen, wie wichtig das Thema bzw. Urlaubsmotiv "Wasser" ist auch für ihre Regionen, denen man mangels Meereszugang dieses Thema auf den ersten Blick nicht ansieht. Aber solche Bücher oder besser noch Websites aktiv anzugehen, kriegt man immer noch nicht auf die Reihe. Stattdessen ergötzt man sich an kostenintensiven und langweiligen Hochglanz-Präsentationen der Bayern Tourismus Marketing GmbH.

Die Vergütung für die Pennsylvenia-Blogger erfolgt unspektakulär. "Für diese Selbst-Präsentation bekommen die Blogger vom Staat Pennsylvania kein Geld, aber dafür alle Kosten ihrer Reise erstattet." In ähnlicher Weise haben vor Jahren die Berliner Bezirke Wedding und Neukölln dem Bamberger Fotografen Werner Kohn unter die Arme gegriffen. Sie haben ihm die hohen Kosten für Filmmaterial bezahlt. Die besten Bilder sind in zwei Bildbänden 1983 veröffenlicht worden ("Wedding. Ein Bezirk von Berlin" und "Neukölln. Ein Bezirk in Berlin"). Gerade bei Tourismus-Destinationen lassen sich ja die meisten Kosten durch Spenden von Anbietern in der Region decken (etwa Hotels, die kostenlose Übernachtungen beisteuern). Man muß halt nur aufpassen, daß dafür keine Gefälligkeitsberichterstattung erwartet wird.