Sonntag, Juli 03, 2005

Das einzig Wahre.

Matthias Wulf und Wolfgang Pott haben für die Welt am Sonntag mit dem Inhaber der Brauerei Warsteiner Albert Cramer und dem Warsteiner-Chef Gustavo Möller-Hergt über fallende Absätze, das Sterben der Brauereien und die Expansion ins Ausland gesprochen: "'Volumen ist das falsche Ziel'", in: Welt am Sonntag vom 3. Juli 2005.

Albert Cramer behauptet unter anderem, die Verbraucher gäben immer weniger Geld aus. Das träfe besonders die Premium-Marken.

Ich will den Begriff "Premium" nicht übernehmen, weil man nie so recht weiß, ob damit gute Qualität gemeint ist oder nur ein vages Versprechen guter Qualität. Qualitativ wirklich hervorragende Biere wie die der Klosterbrauerei Andechser, der Münchener Augustiner-Bräu, der Bamberger Mahrsbräu (und weiterer oberfränkischen Brauereien) erfreuen sich steigender Umsätze, auch in Hektolitern gerechnet, und können ihre Preise stetig steigern. Nur solche Brauereien, die eine eher durchschnittliche Qualität mit hohen Werbeetats und markigen Sprüchen ausschreien, leiden unter Absatzrückgängen. Gebt einfach einen Teil der Werbebudgets euren Braumeistern, damit sie zeigen können, daß sie mit besseren Zutaten und mehr Zeit für die Bierherstellung bessere Qualitäten produzieren können als zur Zeit. Dann wird man eure Biere auch wieder trinken wollen.

Köstlich amüsiert habe ich mich über eine Aussage von Möller-Hergt. Wenn mal jemand eine Satire schreibt über Bier-Marketing, kann er den Satz mit der "Innovation" eines im Dunklen leuchtenden Etiketts einfach übernehmen:
"Wir haben vor zwei Jahren eine ähnliche Flasche wie die Beck's-Gold-Flasche auf den Markt gebracht, allerdings nur in der exklusiven Gastronomie. Unsere Flasche ist durchsichtig, und das Etikett leuchtet im Dunkeln - eine Innovation."
Mir fällt dabei ein Gespräch ein mit einem Braumeister und Brauereiinhaber einer sehr profitablen, kleinen Brauerei im Steigerwald. Er verwendet immer noch die alten Euronorm-Flaschen, hat vor vielen Jahren weder die Umstellung auf die schlankeren NRW-Flaschen mitgemacht noch stellt er wie viele anderen in den letzten Jahren auf Bügelverschlußflaschen um. Er sagte mir:
"Ich warte einfach ab. Wenn ich unter den Letzten bin, die Euronorm-Flaschen verwenden, bekommt das wieder Kultstatus. Meinen Kunden sage ich, ich hätte kein Geld für neue Flaschen, weil ich alles für gute Zutaten, neue Technik und Umweltschutz ausgebe."