Dienstag, Juli 26, 2005

Lohnbrauen.

Lohnbrauen, also Bier nach eigener Rezeptur woanders brauen zu lassen, ist auch heutzutage gängige Praxis. Sie wird dadurch erleichtert, daß dank der Lobbyarbeit der Brauer nicht angegeben werden muß, wo bzw. von wem das Bier gebraut worden ist. Gerade in meiner Heimatregion Bamberg kann man in bestimmten Brauereien z.B. Dosenbier oder auch Bügelverschlußflaschen mit Etiketten sehen, die später ganz legal etwa als Bier einer auswärtigen Brauerei aufgetischt werden.

Zunehmend nutzen aber auch Gasthausbrauereien und handwerksnahe kleinere Brauereien die Marktchance, Bier für andere herzustellen. Dabei wird auf die Kundenverarschung verzichtet. Ganz im Gegenteil profitiert der Kunde vom guten Image der Brauerei und versucht nicht den Eindruck zu erwecken, das Bier selbst hergestellt zu haben. Beispiele sind:
  • Das Brauhaus Goslar stellt das "Lautenthaler Zwergenbräu" her für das "Hotel und Restaurant Brauhausstuben", Lautenthal, und ein "Kaiser Klee Gold" für das "Restaurant Kaiserklee" in Goslar.
  • Hans-Ludwig Straub, der preisgekrönte Inhaber und Braumeister des Brauereigasthof Drei Kronen in Memmelsdorf bei Bamberg stellt auf Wunsch einen Sud (9 Hektoliter) eines Bieres nach einer Rezeptur her, die mit dem Kunden abgesprochen wird. So kann man sich z.B. ein ganz individuelles Bier brauen lassen, daß man auf seiner größeren Geburtstagsfeier, einer Hochzeit oder einem Firmenjubiläum ausschenken kann.
  • Die Kosterbrauerei Neuzelle stellt seit März 2002 "Unser Schaubetaler Landbier" (PDF) her, das von dem in Beeskow ansässigen Getränkefachgroßhändler Gröschke vertrieben wird.
  • Die Schweizer Wädi Brau Huus AG hat daraus ein ausformuliertes Geschäftskonzept gebastelt und bietet Lohnbrauen auch in kleinen Mengen (und angemessen gesalzenen Preisen) an. Siehe ihren Prospekt (PDF).