Sonntag, Juli 24, 2005

Mit Marken, Einkaufserlebnis und Service-Qualitaet gegen Geiz-ist-geil.

"Wir halten gleichsam den Atem an, weil der aufgekeimte Optimismus aus dem Jahr 2003 inzwischen der Skepsis gewichen ist"
charakterisiert der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels die Stimmung seiner knapp 1.000 Mitgliedsunternehmen.
"Dagegen zeigen eine aufkeimende Renaissance des Markenbewusstseins, etliche positive Firmenkonjunkturen unter den Mitgliedern und das gegenüber dem Rest der Branche erneut bessere Abschneiden unserer Unternehmen, dass die meisten anpacken wollen statt zu jammern"
resümierte Günther Guder, Geschäftsführender Vorstand, das Jahr 2004 und die Ergebnisse der Konjunkturumfrage für das erste Halbjahr 2005.

Insgesamt erwirtschafteten die exakt 998 Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes im Jahr 2004 13 Mrd. Euro und damit 2,46 Prozent weniger als 2003. Die rund 2.600 Betriebe der repräsentativen Stichprobe, die das Statistische Bundesamt erfasst, hatten dagegen 2004 einen Gesamtumsatz1 von 14,519 Mrd. Euro oder minus 4,1 Prozent.
"Die Vorgaben - Jahrhundertsommer 2003 und Mengenwachstum durch das Pflichtpfand - legten die Messlatte sehr hoch"
erläuterte Guder und zog unter dem Strich eine positive Bilanz:
"Nach plus 9,6 Prozent in 2003 und minus 2,46 in 2004 bleiben gegenüber 2002 immerhin plus 7,1 Prozent."
Nachdenklich stimme allerdings die Ertragsentwicklung, die aus den 218 Betrieben gemeldet wurden, die sich an der Frühjahrsumfrage beteiligt hatten: Mit einem Minus von 3,06 Prozent verminderten sich die Gewinne stärker als die Umsätze. Konsumrückgang und die nach wie vor starke "Geiz-ist-geil"-Mentalität seien wesentliche Gründe für Ertragsminderungen und verursachten auch 1die Umsätze sind hochgerechnet auf der verfügbaren Statistik aus 2002 mit 2.687 Betrieben und 15,140 Mrd. Euro Umsatz sowie den bekannten Veränderungsraten 2003 plus 6,9 und 2004.

Schwindender Optimismus bei den Fachgroßhändlern

54,6 Prozent erwarten für das erste Halbjahr 2005 eher schlechtere Umsätze - im Vorjahr waren es 39 Prozent -, und 51 Prozent befürchten Ertragsrückgänge - im Vorjahr 42,1 Prozent. Dabei seien es nicht mehr nur die Discounter, die durch ihren andauernden Preiskampf die notwendigen Renditen zerrieben im übrigen LEH und in den rund 7.000 Getränke-Abholmärkten der Mit-gliedsunternehmen, die sich zum Preiswettbewerb gezwungen sähen:
"Wenn Deutschlands größter Handels- und C&C-Konzern Ende April beim Kauf von zwei Kästen Markenbier einen Dritten als Naturalrabatt ausgelobt, entspricht dies einem Nachlass von 33 Prozent"
kritisierte Guder die Wertevernichtung.
"Unsere Mitgliedern und wir erwarten von den Herstellern entsprechende Reaktionen, um so provoziertem, weiterem Preisverfall entgegen zu wirken."
Statt die Spirale immer weiter nach unten zu beschleunigen, sollten "alle Marktpartner ihre Liebe zu den wertvollen Marken und Produkten wieder entfachen", fordert Guder. Es mache wirtschaftlichen keinen Sinn, wenn zum Beispiel in den ersten drei Monaten 2005 der Gesamtabsatz aller alkoholfreien Getränke zwar um 0,4 Prozent gestiegen, der wertmäßige Umsatz jedoch um sechs Prozent zurückgegangen sei. Noch gravierender stellt sich die Situation im Wassermarkt dar, der immerhin knapp 50 Prozent des gesamten AfG-Marktes ausmacht. Die verkaufte Menge wuchs in den ersten drei Monaten um 1,6 Prozent, wogegen der Umsatz um 8,4 Prozent zurückging. Der Durchschnittspreis für einen Liter AfG lag in den ersten drei Monaten 2005 bei knapp 44 Cent, 2004 waren es noch 46 Cent. Schwache und unprofilierte Marken definiere die Gesellschaft für Konsumforschung GfK als die Verlierer der polarisierten Käuferströme, woge-gen starke Marken und gut sortierte Outlets auch in schwierigen Zeiten höhere Marktpreise realisierten.
"Die sorgfältige Präsentation der Getränke im dekorativen Umfeld muss nicht auf Weine beschränkt bleiben"
appelliert Guder an die GAM-Betreiber unter seinen Mitgliedern. Innovation, Fokus-sierung auf Markenkompetenz und Orientierung an den Verbraucher-Bedürfnissen würden auch mit Bier und Wasser funktionieren. Ein positives Beispiel sieht der Bundesverband in der Aktion "Erste Wahl ? Regional" in Ostwestfalen, wo GFGH-Unternehmen mit Getränke-Abholmärkten in Zusammenarbeit mit heimischen Getränkeproduzenten den Fokus auf regionale Produkte lenken:
"Solche Aktivitäten entsprechen auch der GfK-Empfehlung, dass auch Sortimenter wie wir zu den Gewinnern des polarisierten Konsums gehören, die gehobenen Konsum mit Sortimentsvielfalt anbieten können.
"Und was ist mit Bier?"

Frei nach dem geflügelten Werbespruch "und was ist mit ..." scheinen Deutschlands Brauer alles daran zu setzen, "ihre Kunden irritieren zu wollen", wertet GFGH-Verbandschef Guder die Sudkessel-Konzentrationen und vor allem die Me-Too-Hektik:
"Wenn alle plötzlich das leichte Blonde entdecken, die Reliefflasche oder den Lemon-Bier-Mix, geht jede Individualität verloren"
so der gelernte Marketing-Spezialist über die Probleme beim Kernprodukt des Getränkefachgroßhandels, dem Bier. Und ob die großen Übernahmen dem eher traditionsbewussten Biertrinker schmecken, sei fraglich: Brau- und Brunnen zu Radeberger/Oetker, Licher und König zu Bitburger, Heinekens Appetit auf Fürstenberg und Höpfner und über die Beteiligung an Paulaner auch auf Kulmbacher und Würzburger Hofbräu oder in diesen Tagen der Frankenheim-Verkauf an Warsteiner. Ein Minus von 5,3 Prozent beim Bierabsatz von 2001 bis 2003, nochmals minus 1,5 Prozent beim Inlandsabsatz im Jahr 2004 und aktuell per März 2005 minus 3,6 beim Inlands- und minus 3,5 Prozent beim Gesamtabsatz inklusive Export resultieren überwiegend aus der Abnahme der Kern-Zielgruppe bis 35 Jahre, die in den letzten fünf Jahren um elf Prozent zurückging und 50 Prozent des Bierkonsums repräsentiert. Die Abkehr vom Gerstensaft beeinflusst ebenso die negative Entwicklung im Gaststättengewerbe, das in den letzten drei Jahren ein Minus von 17,4 Prozent hinnehmen musste. Gegen den rückläufigen Bierdurst behaupten sich allein ganz wenige Marken und - mit herausragendem Mengenplus - Oettinger als Billigmarke. Letztere durch den Sondereffekt, dass viele Konsumenten nach dem Einbruch bei der 0,5-l-Dose zur preiswertesten Flasche griffen.

Trotz wachsender Sorgen fit für den Wettbewerb


"Wir müssen gegen die Wertevernichtung mobil machen, um die not-wendigen Spannen zu generieren für die komplexen Dienstleistungen, die von uns erwartet werden"fordert der Bundesverband. Deren Skala reiche von der Sortierung der Individual-Leergut-Lawine in Form von Flaschen und Kästen über Electronic-Consumer-Response (ECR) bis zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln. Etliche positiv herausragende Firmenkonjunkturen würden Zeugnis ablegen für die grundsätzliche Fitness der Branche, betonte Guder. Die logistische und regionale Getränkekompetenz des Fachgroßhandels bis in die feinste Distribution beim Schützenfest, wachsende Kooperationsbereitschaft sowie neue Leistungen seien die passende Antwort auf die fortgesetzte Konzentration bei den Marktpartnern und den Verdrängungswettbewerb. Eine zusätzliche Chance habe der GFGH voraussichtlich auch als Partner und Logistiker für die Einweg-Rücknamesysteme. Dabei seien die Sorgen der Branche nicht geringer geworden, bedauerte Guder. Zu den Belastungen durch die Ökosteuer - jede der fünf Stufen verteuerte einen Lkw pro Jahr um rund 1.600 Euro - entstehen erhebliche Mehrbelastungen durch die Lkw-Maut:
"Preisanpassungen sind aus Sicht des Getränkefachgroßhandels unerlässlich"
prognostiziert Guder mit Hinweis auf Beschaffungs- und Auslieferungsmaut-Gebühren bis zu 18 Cent pro Kasten, die aus den Spannen nicht darstellbar seien. Immerhin berechnen nach den Antworten aus der Umfrage 28 Prozent die Beschaffungsmaut komplett weiter, 41,3 Prozent teilweise und 21,1 Prozent nicht. Bei der wesentlich geringeren Mautbelastung für die Auslieferung (bis 6 C/Kasten), die meist lokal und regional sowie auf weniger Autobahn-Kilometern erfolgt, berechnen 15,1 Prozent komplett und 25,2 Prozent teilweise weiter, wogegen 41,3 Prozent die Kosten nicht weiter geben. Zusätzlich seien nach Berichten aus Mitgliederkreisen die Dieselkosten pro 100 km seit 2001 um fast 18 Prozent gestiegen von 24,22 Euro auf 28,56 Euro, obwohl der Verbrauch um 2,4 Prozent gesenkt wurde. Die befürchtete Schlechterstellung durch Auswirkungen von Basel II trat nicht in erwartetem Umfang ein: Für 46,3 Prozent der antwortenden Unter-nehmen liefen die Kreditgespräche "wie immer", 15,1 Prozent sahen sich durch das Rating besser gestellt. Diesen gut 60 Prozent stehen 32 Prozent gegenüber, die Bankgespräche als schwieriger empfanden, und zehn Prozent gaben an, dass ihnen Kredite bereits abgelehnt oder reduziert worden seien. Da außerdem die Branche auch in Zukunft zu den beschäftigungsintensivsten gehören wird - die Mitarbeiterzahlen bleiben konstant bei rund 50.000 - und deshalb auch die Sozialkosten drücken, spiegeln sich Belastungen und fehlende Zuversicht in die politischen Entwicklungen wider in der rückläufigen Investitionsbereitschaft: Die Vorhaben für 2004 liegen im Wert 2,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, 36,2 Prozent wollen voraussichtlich weniger investieren als 2004 (im Vorjahr waren es 27 Prozent), 45,9 Prozent (Vorjahr: 52) halten das Niveau, und 17,4 Prozent (Vorjahr: 20,5) wollen zulegen. National und international aufgestellt Mit dem Anschluss von Rheinland-Saar als letztem Landesverband hat sich der Bundesverband seit 21. Februar 2005 endgültig auch formell einheitlich national aufgestellt.
"Wir verstehen unseren Auftrag als internationale Interessenvertretung bei der EU und als zentraler Gesprächspartner der zunehmend national bis international agierenden Marktpartner"
begrüßt Guder die Konzentration der Kräfte. Die internationale Karte spielt er seit Oktober 2004 als Vizepräsident des europäischen GFGH-Verbandes CEGROBB, in dem der Bundesverband verantwortlicher Koordinator ist für das EU-Thema Verpackungsverordnung.
"Wir sind jetzt ein starker politischer Arm, um uns noch mehr für die zukunftsorientierten Rahmenbedingungen unserer Mitglieder einzusetzen"
gibt sich der Bundesverband des Getränkefachgroßhandels kämpferisch. (Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes des Getränkefachgroßhandels).