Samstag, Juli 23, 2005

Serbische Bohnensuppe.

Thorsten Sommer behauptet, "serbische Bohnensuppe" sei von den Speisekarten verschwunden. Ganz so stimmt das nicht, wie eine Suche bei Google nach "serbische Bohnensuppe Speisekarte" ergibt.

Auch an der zitierten Vermutung ("Die Rückkehr der Serbischen Bohnensuppe" von Achim Beinsen, in: Das Wort der Woche vomn 22. Juli 2005), die serbische Bohnensuppe wäre im Zuge des Balkankonfliktes als politisch unkorrekt von den Speisekarten verbannt worden, habe ich so meine Zweifel. Ich erinnere mich vage daran, daß bis Ende der 70er Jahre in nicht wenigen Gaststätten eine Dosensuppe von Unox deren Etikett behauptete, eine serbische Bohnensuppe zu beinhalten, mit Wasser im Volumen verdoppelt, erhitzt und im Preise verdrei- oder vervierfacht verabreicht worden ist. Das hat wohl auf die Dauer nicht so sehr gemundet.

Unox hatte 1962 begonnen, konzentrierte und tafelfertige Dosensuppen auf den Markt zu werfen. Seit 2000 ist Unox eine Marke von Unilever.

Der Niedergang der serbischen Bohnensuppe in der deutschen Speisegastronomie war vielleicht auch der Tatsache geschuldet, daß Suppen in den 80ern und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts generell ziemlich "out" gewesen sind. Sie galten als Fettmacher, als spießig. Eine ganze Generation mimte mit Inbrunst den Suppenkasper. Da mußte erst ein jüdischer Stand-Up-Komiker in New York den Suppen-Nazi auf die Schippe nehmen, um nach Ausstrahlung seiner Sitcom "Seinfeld" in Deutschland Suppenbars in Deutschland salonfähig zu machen. Die "serbische Bohnensuppe" hat dies aber nicht reanimiert.