Mittwoch, August 17, 2005

Bio-Weine in hoher Qualitaet, fair gehandelt zu stabilen Preisen:

Bio-Wein ist auf dem Vormarsch. Die Weinregale im Bio-Handel wachsen. Aber auch der herkömmliche Lebensmittelhandel öffnet sich für das Thema. Und bei den Erzeugern von Top-Gewächsen gewinnt der Bio-Anbau zunehmend Akzeptanz. Tendenzen und Trends, die ihren Ausgangspunkt zunehmend auf der BioFach, der größten Bio-Weinfachmesse der Welt, nehmen. Auf der BioFach 2006 vom 16. bis 19. Februar im Messezentrum Nürnberg sind auch ca. 250 Anbieter von Wein, Sekt und Champagner mit dabei. Sie kommen natürlich aus den führenden Bio-Weinbau-Nationen Italien, Frankreich und Spanien, aber u. a. auch aus Argentinien, Chile, Deutschland, Griechenland, Österreich, der Türkei oder Ungarn. Nicht nur die bekannten Provenienzen warten mit einem umfangreichem Angebot auf, sondern ebenso kleinere, weniger bekannte Anbaugebiete. Außerdem werden in der Weinhalle 8 sogenannte Beisortimente für Weinhändler präsentiert. Das sind beispielsweise Accessoires wie Gläser, Karaffen. Und auch Großhändler, Weinbau- und Weinhandelsverbände sind mit ihren Winzern und weiteren Ansprechpartnern unmittelbar vor Ort.

Der Internationale Weinpreis der BioFach 2006 wird öffentlich ausgeschrieben, so dass sich jeder Bio-Winzer beteiligen kann. Vergangenes Jahr stellten sich 461 ökologisch erzeugte Weine aus aller Welt den hochsensiblen Sinnesorganen der Degustatoren. Diese zeigten sich überaus zufrieden und vergaben 26 Mal Gold, 35 Mal Silber und sprachen 67 Empfehlungen aus. Zum achten Mal werden auf der BioFach - im Rahmen des offiziellen Rundgangs der Ehrengäste unmittelbar nach der Messeeröffnung - internationale Spitzenweine aus ökologischem Anbau in den Kategorien Weiß-, Rot-, Rosé-, Schaum- und Dessertwein prämiert. Weitere überdurchschnittliche Weine sind in einer Empfehlungsliste besonders hervorgehoben. Der Ehrung auf der Messe geht auch diesmal Ende November/Anfang Dezember 2005 eine öffentliche Degustation durch international anerkannte Juroren voraus. Selbstverständlich werden sämtliche Siegerweine in geführten Degustationen auf der Messe vorgestellt.

Aufbruchsignale: Qualität und Öffnung für den Markt

Starke Impulse für den Bio-Weinbau kommen von der Qualitätsspitze. Immer mehr renommierte Weingüter orientieren sich an der umweltfreundlichen Produktionsweise. Im deutschen Elite-Weinclub VDP (Verband der deutschen Prädikatsweingüter) arbeiten bereits 10 % der Mitgliedsbetriebe nach Bio-Richtlinien. Tendenz steigend. Zur Zeit stellen drei Spitzenbetriebe aus dem Rheingau und der Pfalz auf kontrollierten Anbau um.

Längst sind Bio-Wein-Erzeuger keine Exoten mehr. Die Arbeit mit natürlichen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie der Verzicht auf Herbizide wird auch von den konventionellen Produzenten als ein Weg zu hoher Qualität anerkannt und teilweise übernommen.

Qualitätssteigerung durch Biodynamik

Auf internationaler Ebene finden die Veranstaltungen der ?Vignerons d?Exception" (Ausnahmewinzer) große Beachtung. Gegründet wurde dieser lose Zusammenschluss von Loire-Winzer Nicolas Joly, dem Philosophen des biodynamischen Weinbaus. Sein Credo ist die Steigerung des Terroir-, also des Herkunftscharakters der Weine durch die Methoden der Biodynamik. Diese arbeitet neben den natürlichen Verfahren bei Düngung und Pflanzenschutz auch mit speziellen Präparaten zur Stärkung der Pflanzen und berücksichtigt Planetenkräfte. Weltweit ist heute die Biodynamik bei Top-Betrieben im Kommen.

In einer Zeit, in der die Weine der Welt durch die Vereinheitlichung der Kellertechnik immer ähnlicher werden, findet das Terroir-Argument natürlich großen Widerhall. Zu den ?Vignerons d?Exception" zählen inzwischen Bio-Erzeuger aus Europa, Amerika und Australien. Auch die Präsentationen finden rund um den Globus statt. Die geballte Präsenz von Top-Betrieben aus aller Welt trägt erheblich zur Imagesteigerung des Bio-Weins bei.

Bio-Weinbau: Italien liegt vorn, Spanien und Frankreich holen auf

An der Spitze der Bio-Wein-Statistik liegt Italien mit ca. 30.000 Hektar Rebfläche. Jeweils etwa halb so viel entfällt auf Frankreich und Spanien, wo es in den letzten Jahren große Zuwächse gab. Knapp 2.000 Hektar Reben werden in Deutschland biologisch bewirtschaftet.

In den Überseeländern nimmt der Bio-Weinbau rasant zu: Führend ist hier Kalifornien mit etwa 3.000 Hektar. Der Shooting-Star am Bio-Wein-Himmel ist aber derzeit Chile. Einige renommierte Erzeuger stellen große Teilflächen um. Sie werden schon bald zu den größten Bio-Wein-Erzeugern der Welt gehören. Auch in Australien und Argentinien gibt es bedeutende Bio-Rebflächen. Sichtbares Zeichen dieser Entwicklung ist die von Jahr zu Jahr wachsende Präsenz der Weinerzeuger aus Übersee auf der BioFach. Der europäische Markt ist für sie von größter Bedeutung.

Fair Trade jetzt auch bei Bio-Weinen

Parallel zu dieser Entwicklung werden Weine aus Übersee im Bio-Handel allmählich hoffähig. Pionierarbeit leisteten hierbei die Weine aus Kalifornien, die sich aber auf das Hochpreis-Segment beschränkten. Jetzt machen aber immer mehr preisgünstige Bio-Weine aus Chile, Argentinien und Südafrika von sich reden.

Die erfolgreiche Verbindung von Bio- und Fair Trade-Zertifikaten hält nun auch beim Wein Einzug. Die wegen der langen Transportwege noch bestehenden Vorbehalte gegenüber Weinen aus Übersee werden mit dem Fair Trade-Siegel deutlich geringer. Ein südafrikanischer Bio-Wein-Erzeuger hat die Fair Trade-Anerkennung bereits erhalten, eine argentinische Kleinbauern-Kooperative steht kurz davor.

Wein profitiert vom Bio-Boom

Starke Impulse kommen derzeit auch von der Nachfrageseite. Der weltweite Bio-Umsatz wuchs im Jahr 2004 nach Schätzungen des Londoner Marketing- und Beratungsunternehmens Organic Monitor um rund 6 % auf etwa 26,5 Mrd. US $ (das entspricht ca. 21,7 Mrd. EUR). Allein in Deutschland legte der Bio-Umsatz letztes Jahr sogar um 13 % auf 3,5 Mrd. EUR zu (ZMP, Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft), was auch den Bio-Wein-Absatz kräftig anschob. Der Trend zu Bio-Supermärkten hält an, das forciert ebenfalls die Nachfrage nach Bio-Wein. Denn in Märkten mit 500 bis1.000 m2 Ladenfläche wird ein breites Sortiment von 100 bis 200 Weinen angeboten. Der Umsatzanteil von Wein liegt dort bei 2 bis 5 %. Zudem sind ?alternative" Ausstattungen beim Wein passé. Immer mehr Bio-Weine erscheinen in elegantem Gewand. So erkennt der Verbraucher leichter die besondere Wertigkeit des Produkts und akzeptiert eher den etwas höheren Preis.

Vielfalt des Angebots und stabile Preise

Der internationale Weinmarkt ist in den letzten Jahren durch Überproduktion gekennzeichnet. Starker Druck auf die Preise ist die Folge. Für manche Erzeuger war die Umstellung auf Bio-Anbau ein Weg, diesem Druck zu entkommen. Die großen Umstellungen vor allem in Südeuropa und neuerdings auch in den Überseeländern haben jedoch die Gewichte verschoben. Heute kann jeder Einkäufer zwischen vielen Angeboten wählen. Nun wächst auch auf dem Bio-Weinmarkt der Preisdruck. Erfreulich ist das vor allem für den Verbraucher. Denn er stellt fest, dass die Preise stabil bleiben, teilweise sogar sinken. Der Abstand zu den konventionellen Weinpreisen wird immer geringer. Bei hochwertigen Qualitäten geht er sogar gegen Null.

Diskrete Bio-Kennzeichnung beim Wein

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist schon lange auf dem Bio-Markt aktiv. Die großen Ketten arbeiten erfolgreich mit eigenen Bio-Labels. Nur beim Wein hielten sie sich bisher auffällig zurück. Doch mehren sich jetzt die Versuche, auch auf diesem Markt zu punkten. Die meisten Firmen arbeiten hier aber nicht mit ihren Bio-Labels. Vielmehr stellen sie die regionale Herkunft der Weine in den Vordergrund. Denn der biologische Anbau wird gerade beim Wein als Zusatznutzen gesehen, quasi als Tüpfelchen auf dem i nach den Faktoren Geschmack und Outfit.

Den besten Überblick über den internationalen Bio-Weinmarkt bietet die BioFach vom 16. bis 19. Februar im Messezentrum Nürnberg, die auch 2006 ihrem hervorragenden Ruf als größte Bio-Weinfachmesse der Welt gerecht wird. Insgesamt erwartet die Weltleitmesse für Bio-Produkte gut 2.000 Aussteller und 33.000 Besucher. (Quelle: Pressemitteilung der NürnbergMesse).