Samstag, August 06, 2005

Dekolleté-Verbot II.

In Ergänzung zu meinem Beitrag "Dekolleté-Verbot" möchte ich auf einen Kommentar von Mario Scheuermann ("Viel Lärm um nichts", in: the drink tank) verweisen.

Die Europäische Union hat eine Richtigstellung verlautbart: "Europäische Kommission stellt richtig: Keine Dekolleté-Verkleidung für Bedienungen in Biergärten geplant!". Amüsiert habe ich mich über folgende Sesselfurzer-Formulierung darin:
"Bei der von der Richtlinie verlangten Risikoabschätzung können sich die Arbeitgeber auf ihren normalen Menschenverstand und allgemein bekannte Informationen stützen. Sie müssen also keine teuren Messungen oder medizinischen Tests vornehmen."
Schön, daß wenigstens wir Arbeitgeber uns vom normalen Menschenverstnd leiten lasseen dürfen. Darf ich aus dieser Formulierung schließen, daß die Europäische Union Arbeitnehmern einen normalen Menschenverstand nicht zugesteht?

Ich darf der Europäische Union versichern, daß wir keinesfalls "teure Messungen oder medizinische Tests" ins Auge gefaßt haben. Ein von Herzen kommendes "Leckt mich im Arsch" müßte genügen.

Dies mal nur für den Fall, daß der bürokratische Gang wie geplant fort schreitet:
"Der Richtlinie haben bereits alle Mitgliedstaaten im Ministerrat sowie das Europäische Parlament in 1. Lesung zugestimmt. Die 2. Lesung im Parlament soll im September 2005 stattfinden. Danach geht die Richtlinie zurück an den Ministerrat (d. h. an die Mitgliedstaaten), der dem Vorschlag zustimmen oder Änderungen beschließen kann. Dieser neue Vorschlag wird gegebenenfalls im Vermittlungsausschuss von Parlament, Rat und Kommission beraten und bei Einigung in einer dritten Lesung im Parlament verabschiedet. Bei Nichteinigung wird der Vorschlag fallen gelassen. Es kann heute also noch nicht gesagt werden, wann und in welcher Fassung die Richtlinie - wenn überhaupt - in Kraft treten wird."
Auch wenn ich mich wiederhole: Habt Ihr Sesselfurzer keine wirklichen Probleme, um die Ihr Euch kümmern solltet?

Anmerkung: Bevor Sie sich über den Ausdruck "Sesselfurzer" aufregen: Dieser Ausdruck wurde von Hans Magnus Enzensberger in die Hochsprache eingeführt. In einer "Frankfurter Erklärung" verurteilten 1996 über 300 deutsche Intelektuelle die geplante Reform der Rechtschreibung. Enzensberger bezeichnete sie als "Amtsfetisch" einiger "Sesselfurzer". Siehe dazu einen Spiegel-Kommentar.