Donnerstag, August 11, 2005

Des Koenigs neue Kleider.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Biermarke König Pilsener der König-Brauerei in Duisburg in der Gastronomie einen guten Ruf erarbeitet. Als eine der ersten Brauereien hat sie ein breites Service-Angebot für ihre Kunden in der Gastronomie aufgebaut bis hin zu einem Kundenclub König Club (seit 1994) und der König Akademie mit regelmäßigen ein- oder zweitägigen Fortbildungsveranstaltungen für Gastronomen. Sie wurde damit für nicht wenige Wettbewerber zum Vorbild.

Die ehemals stolze Privatbrauerei König-Brauerei wurde 2000 an die Holsten-Brauerei AG in Hamburg verklickert (die letzen 25% im Jahre 2001), diese wiederum von der dänischen Carlsberg AG übernommen und kaum verdaut an die Bitburger Brauerei weitergespuckt. Siehe dazu "Carlsberg zerschlägt Holsten", in: Die Welt vom 20. Januar 2004.

Heute sticht mir eine Anzeige von König Pilsener auf der Rückseite der Wirtschaftswoche vom 11. August 2005 ins Auge (Anzeige in groß als PDF). Darin lehnt sich ein lächelnder Boris Becker mit einem vollen Bierglas in der rechten Hand an ein Tennisnetz. Darüber hat man ihm die Worte in den Mund gelegt:
"Was gibt es Schöneres, als in seinem Wohnzimmer zu sitzen und das Leben zu genießen"
Mir als Gastronomen geht ein Messer in der Hosentasche auf, wenn ich lesen muß, daß eine Brauerei und zumal eine, die sich angeblich besonders um die Gastronomie bemüht, den häuslichen Biergenuß propagiert, statt die Leser anzuregen, in eine Kneipe zu gehen.

Das Inserat ist zudem handwerklich schlecht gemacht:
  • Boris Becker steht auf einem Sportplatz und träumt oder spricht davon in seinem Wohnzimmer zu sitzen. Die Location paßt nicht zur Aussage. Es sei denn, man interpretiert die Anzeige so, als habe Boris Becker vom Tennisplatz die Schnauze voll und sehne sich nach seinem Wohnzimmer. Ziemlich neben der Kapp'.
  • Boris Becker grinst sein schönstes Lächeln in die Kamera und sein Glas ist voll. Da frage ich mich doch: Was guckt Du, nachdem Du davon getrunken hast?
Diese neue Kampagne für König-Pilsener umfaßt auch weitere Motive mit Til Schweiger und "Reinhold Beckmann". Die tollen Fotos stammen von dem Fotografen Uwe Düttman, die für Gastronomen ärgerliche Kampagne von der Kreativagentur : lübke prey.

Siehe zur König-Brauerei auch eine frühere Polemik: "Koenig-Brauerei: Stabilisierung im Mehrwegbereich - Chancen durch Verbund starker Marken".

Nachtrag vom 12. August 2005: Guido Marquardt, Geschäftsführer der Kochpiraten GmbH hat mich belehrt, daß der Begriff "Wohnzimmer" darauf anspielt, daß Boris Becker stets den Centre Court von Wimbledon als sein Wohnzimmer bezeichnet habe - also als Ort des maximalen Wohlgefühls, an dem er immer so etwas wie ein Heimpspiel hatte. Der Court, den man in der Anzeige sieht, sei immerhin ein Rasenplatz, wenn auch höchstwahrscheinlich nicht Wimbledon.

Dann macht die Anzeige doch einen Sinn - wenigstens für Menschen, die sich - anders als ich - für Tennis interessieren.