Dienstag, August 16, 2005

Im Pulverfass.

Über ein ungewöhnlichen Preissystem des Hamburger Cabarets "Pulverfass", bei dem das erste Getränk mehr kostet als die folgenden, philosophiert Thorsten Sommer: "Preise richtig angeben und richtig lesen können", in: Speisekarten-Seite.de.

Es handelt sich im Grunde um eine Variante von "Gedeck", einer Gebühr für einen Platz, der in anderen Ländern eher akzeptiert wird als in Deutschland und manchmal kaschiert wird durch ein paar Stückchen Brot oder einen Begrüßungsdrink.

Im Prager Café Europa am Wenzelsplatz wurde Anfang der 90er Jahre Eintritt "für die Musik" verlangt, einen Klavierspieler, der spielte oder auch nicht. Tatsächlich wollte man verhindern, daß die Gäste gestört werden durch Touristenhorden, die sich das Jugendstil-Gebäude im Innern anschauen wollten. Außerdem hat man mit der Eintrittsgebühr von umgerechnet 0,50 DM solche Tschechen rausgehalten, die sich damals die an westlichem Niveau orientierten, hohen Preise ohnehin nicht hätte leisten können. Prostituierte beiderlei Geschlechts gab es trotzdem zuhauf; die buchten das wohl unter Betriebskosten. Nachteile dieser Lösung sind die Personalkosten für die Kasse und daß Besucher abgeschreckt werden, die andernfalls eventuell unaufmerksam ein erstes, teures Getränk bestellen würden.

Mehr über "Erlösquellen und Preispolitik im Gastgewerbe" in einem älteren Artikel von mir.