Mittwoch, August 31, 2005

Prozentrechnung.

Ein zentrales Argument in der Begründung der Kirchhofschen Steuerreform ist, daß Spitzenverdiener ihre Steuerlast durch Steuerschlupflöcher deutlich reduzieren.

Laut einem Beitrag der Netzeitung vom 31. August 2005 ("Reiche zahlen laut Eichel Spitzensteuersatz") behaupet der noch amtierende Finanzminister und frühere Deutschlehrer Hans Eichel (SPD) nun, deutsche Spitzenverdiener profitierten viel weniger von steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten als bisher angenommen. Ihm zufolge zahlen Bundesbürger mit einem Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro durchschnittlich 41 Prozent Steuern.

Nun ist es in der Tat so, daß ein Bundesbürger mit einem steuerpflichtigen Einkommen von 1 Million Euro ca. 41% Einkommenesteuer zahlen. Dies ist aber trivial. Kirchhof zielt mit seinem Argument hingegen auf die Tatsache, daß Spitzenverdiener ihr tatsächliches Einkommen durch Steuerschlupflöcher wie Sonderabschreibungen verringern und so ein niedrigeres steuerpflichtiges Einkommen erreichen.

Ein Beispiel: Wenn ein Steuerpflichtiger mit einem Einkommen von zwei Millionen Euro durch Steuergestaltungen nur noch ein steuerpflichtiges Einkommen von einer Million Euro ausweist und darauf zur Zeit ca. 41% (also 410.000 Euro) Einkommenesteuer zahlt, ist dies deutlich weniger als wenn er, wie im Modell von Kirchhof vorgesehen, auf seine 2 Milllionen Euro, die mangels Abzugsmöglichkeiten voll steuerpflichtig sind, 25% (also 500.000 Euro) zahlen müßte.