Freitag, November 11, 2005

Abbau des Kuendigungsschutzes.

Eigentlich will das Institut für Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen gegen den Abbau des Kündigungsschutzes in den ersten zwei Jahren einer Beschäftigung, wie er im Koalitionsvertrag angeblich vorgesehen ist, argumentieren ("Erosion beim Kündigungsschutz befürchtet", in: Netzeitung vom 11. November 2005):
"Die Arbeitnehmer würden künftig aber den Betriebswechsel scheuen, weil sie dadurch den Kündigungsschutz für mindestens zwei Jahre verlieren würden oder eventuell gar nicht mehr erhalten."
Anders herum wird ein Schuh draus. Der Kündigungsschutz wirkt sich wie eine Steuer auf einen Arbeitsplatzwechsel aus und verringert die Bereitschaft der Arbeitsplatzbesitzer zu einem Arbeitsplatzwechsel. Die volkswirt- und betriebswirtschaftlichen Verluste, die sich daraus ergeben, sind immens.
  • Menschen verharren auf Arbeitsplätzen, für die sie nicht geeignet sind, statt auf bessere Arbeitsplätze zu wechseln oder sich selbständig zu machen. So ist es kein Wunder, wenn dem japanischen Einzelhandelberater Minoru Tominaga auffällt, daß in einem untersuchten deutschen Kaufhaus der einzige freundliche Mitarbeiter ein Student gewesen ist, der dort kurzfrisig ausgeholfen hat ("Die kundenfeindliche Gesellschaft. Erfolgsstrategien für Dienstleister", 1998).
  • Arbeitgeber, inbesondere auch Existenzgründer, die motivierte und qualifizierte Arbeitnehmer benötigen, gelingt es kaum, Mitarbeiter von anderen Unternehmen loszueisen, weil sie dort Kündigungsschutz genießen, den sie bei dem neuen Arbeitgeber erst nach sechs Monaten (zur Zeit) bzw. nach 24 Monaten (wie im Koalitionsvertrag geplant) erhalten.
  • Unternehmen, die ungeeignete Mitarbeiter nicht entlassen können, konzentrieren in ihren Reihen im Laufe der Zeit die am wenigsten geeigneten und motivierten Mitarbeiter, denn nur die anderen riskieren es, ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Jack Welch, der als Topmanager von General Electric konsequent die Nieten gefeuert hat, wäre in Deutschland am Kündigungsschutz gescheitert. Siehe dazu das Buch "Winning", in denen er seine Erfahrungen aufgeschrieben hat.