Samstag, November 12, 2005

Ernaehrungsbildung an den Schulen.

Anlässlich des 2. Kongresses für Schulverpflegung im Rahmen der GÄSTE 2005, Internationale Fachmesse für Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung 30. Oktober bis 2. November 2005 haben eine Reihe von Persönlichkeiten aus der Gastronomie einen "Offenen Brief" an die Kultusministerkonferenz geschrieben:
"Offener Brief

Leipzig, 02.November 2005

Sehr geehrte Damen und Herren der Kultusministerkonferenz!

Kinder müssen sich bewusster ernähren und die Qualität der Menge vorziehen!

Genuss als Schulfach und eine kulinarische Bildungsoffensive sind mit die aktuellsten Fragen der Zeit! Wenn es um die Bildung unserer Kinder geht, wird Ernährung und der richtige Umgang mit unseren Mitteln zum Leben, den Lebensmitteln, vernachlässigt.

Damit Ernährung während der gesamten Schulzeit zum Thema wird und Kinder für ihr weiteres Leben mit dem richtigen Umgang von Lebensmitteln befähigt werden, sind im Bereich der Bildung umfassende Reformen nötig. Essen einerseits, konsumieren andererseits - beides sind wichtige Merkmale für Kinder und Jugendliche, um sich zu identifizieren oder von anderen abzugrenzen. Essverhalten festigt sich bereits im Kindesalter und einmal erworbene Muster werden häufig ein Leben lang beibehalten.

Deshalb kommt der Ernährungsbildung in der Schule eine besondere Bedeutung zu. Sie soll frühzeitig und durch die gesamte Schullaufbahn begleitend stattfinden; Schüler sollen durch sie befähigt werden, sich auf neue Erfahrungen im Umgang mit Lebensmitteln einzulassen und Kompetenzen entwickeln, die selbst bestimmtes und reflektiertes Handeln ermöglichen....

Alle Anstrengungen müssen deshalb dazu führen, dass die Kinder in ihrem Lebensraum Schule, Bedingungen vorfinden, zum Erwerb lebenslang guter Ess- und Trinkgewohnheiten beitragen. Hier sind große Chancen bei der Festlegung der Schulprofile zu sehen, die die Bewegungsförderung und eine gute Schulverpflegung berücksichtigen sollen.

Die Unterzeichner dieses offenen Briefes plädieren für einen Geschmacksunterricht an Deutschlands Schulen. Führt den Genuss als Schulfach ein, fordern wir im Namen unserer zukünftigen Tischgäste in unseren Restaurants!

Ziel muss es sein, unsere Kinder wieder auf das gute, gesunde Produkt aufmerksam zu machen. Von dem Geschmacksunterricht können Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen profitieren. Das pädagogische Angebot muss aber praktisch und sinnlich aufgebaut sein, denn kein Kind wird plötzlich Blumenkohl essen, weil es einen Vortrag über Vitamine angehört hat. Nach unserer Meinung ist eine kulinarische Bildungsoffensive notwendig, die Kinder kritischer und vor allem erlebnisfähiger macht. Damit wird nicht nur die körperliche, sondern auch die soziale Fitness gesteigert. Ein Unterrichtsfach zu diesem Thema kann mit Helfen einen Verfall der Esskultur bei unseren Kindern zu verhindern. Wir wollen alles in unserem Ermessen liegende tun, um diese Entwicklung tatkräftig zu unterstützen.

Die Schulkinder von heute sind die Tischgäste von Morgen, gemeinsam mit den Verbänden - von Eurotoques, der unabhängigen Verbraucherinitiative der Bevölkerung und der Spitzenköche, und der Jeunes Restaurateurs, Deutschlands junger Spitzenköche, sowie dem Verband der Köche Deutschlands - wollen wir uns für Geschmackserziehung und Ausbildung an den deutschen Schulen stark machen. Grundlage soll dafür auch die Qualität der Schulspeisung bilden, mit der die Schüler tagtäglich ihren positiven Erfahrungen machen sollen. Die Kollegen Köche sind aufgerufen in ihren Regionen in die Schulen zugehen und die Eltern sind aufgefordert ein entsprechendes Unterrichtsfach bei den Politikern einzufordern: Genussausbildung als Schulfach muss zu einem Wahlprüfstein für alle politische Parteien bei den Wahlen gemacht werden.

Wir wollen uns um die Entwicklung der Geschmacksnerven unserer Kinder kümmern. Vielfältige Aktionen sind dazu in der Zukunft geplant, denn Geschmacksunterricht und schmackhafte Schulverpflegung stehen in einem direkten und ursächlichen Zusammenhang. Die Initiatoren fordern deshalb die Produzenten von Schulverpflegung auf sich der Initiative anzuschließen, um so eine Lobby für den Geschmack der Kinder zuschaffen.

Denn Geschmack kommt vom Schmecken und das wird oft vergessen!
  • Johann Lafer, Stromberg
  • Eckart Witzigmann, München
  • Heinz Winkler, Aschau
  • Sarah Wiener, Berlin
  • Ernst Ulrich Schassberger, Vize-Präsident von Eurotoques Europa und Präsident Deutschland und Österreich
  • Ctefan Wohlfeil, Präsident des Verbandes der Köche Deutschland e.V.
  • Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipziger Messe
  • Annemarie Heinrichsdobler, Chefredakteurin Gvmanager
(Quelle: Pressemitteilung des Verbands der Köche Deutschlands).