Samstag, November 19, 2005

Goya AG.

Angesichts der Schwierigkeit, Bankdarlehen zur Finanzierung von gastgewerblichen Objekten und Konzepten zu ergattern, gewinnen Finanzierungen, die potentielle und wirkliche Gäste beteiligen, an Bedeutung. Diese Formen gehen davon aus, daß die Art und Weise der Finanzierung dazu führt, daß diese Geldgeber als Stammgäste an das Objekt gebunden werden. Einen Überblick über die möglichen Rechtsformen und einige Beispiele bietet mein früherer Artikel "Hilfen bei der Finanzierung von Existenzgründungen im Gastgewerbe".

Am 1. Dezember 2005 eröffnet in Berlin der Musikclub "Goya", eine Kombination aus einem Tanzlokal und einer sehr großen Cocktalbar. Gemeinschaftsbildend ist auch ein gemeinsames Mahl für 130 Personen an langen Tischen inmitten eines "Meeres von Kerzen".

So sieht das Finanzierungsmodell der Goya AG aus:
"Die Investitionssumme von rund elf Millionen Euro, die der Umbau zum Club verschlingt, bringen insgesamt 2000 Aktionäre "Goyaner" auf, die gleichzeitig Mitglieder des Clubs werden und lebenslang freien Eintritt genießen. Ein Vollpaket besteht aus 60 Stammaktien, die je 66 Euro kosten. 20 Prozent der Umbausumme werden auf herkömmlichem Weg finanziert."
Siehe: Der Club der Aktionäre", in: Handelsblatt vom 19. November 2005.

Dieses Objekt ist auch insoweit interessant, als es ein weiteres Beispiel dafür darstellt, wie man ehemalige Theater gastronomisch nutzen kann. Ein Beispiel von Anfang der 90er Jahre wird auf der 2. Seite des Handelsblatt-Artikels genannt: das "Teatriz" von Stardesigner Philippe Starck in einem Madrider Kindertheater.

Ein ähnliches Thema ist die Umwandlung von (säkularisierten) Gotteshäusern in Gaststätten, zumal einer allzu häufige Umwandlung von evangelischen und katholischen Kirchen in freireligiöse Kirchen oder islamische Moscheen, ideologische Bedenken in den Reihen der Staatskirchen zunehmend entgegenstehen. Ein Beispiel ist "The Church Restaurant" in Stratford.