Samstag, November 19, 2005

Schwarzer Johannisbeernektar.

Es ist erstaunlich, wie miserabel einige Websites von Lieferanten der Gastronomie sind. Ich bin gerade auf der Suche nach Anbietern von Johannisbeer-Nektaren, um mich über die Produktqualität zu informieren, bevor ich mir Proben geben lasse:
  • Die Website der Bayla enthält, man getraut es sich fast nicht anzusprechen, lediglich die E-Mail-Adressen von Ansprechpartnern. Das Internetarchiv enthüllt, daß diese Website ab Februar 2001 in Betrieb gewesen ist, jedoch monatelang nur angezeigt worden ist, daß eine neue Interetpräsenz entstehe. Den aktuellen, trostlosen Zustand zeigt diese Website seit April 2003. Dabei ist Bayla keine Klitsche und hat wirklich gute Säfte, die wir seit über 20 Jahren im Sortiment unseres "Café Abseits". Mit ein bißchen Phantasie finde ich im Internetarchiv dann doch eine Produktübersicht vom Oktober 2004. Es gibt bzw. gab offensichtlich einen "Schwarzen Johannisbeer-Nektar".

  • Die Website von Granini ist zwar mit dekorativen Graphiken aufgeblasen, was am Verstand des dafür Verantwortlichen zweifeln läßt, doch für die Vertriebskanäle Einzelhandel und Gastronomie finden sich unterschiedliche Einstiegsseiten und ich so schnell den "Granini Trinkgenuß Schwarze Johannisbeere".

    Exkurs für alle diejenigen, die zwischen Säften, Nektaren und Fruchsaftgetränken nicht zu unterscheiden wissen. Sie unterscheiden sich im Fruchtgehalt. Je nach Fruchtsorte sind unterschiedliche Mindetsaftanteile nach der Fruchtsaftverordnung in deren Anlage 5 vorgeschrieben. Für Fruchnektare aus Schwarzen und Weißen Johannisbeeren beträgt demnach der Mindestfruchtgehalt 25%.

    Der Schwarze Johannisbeernektar erfüllt gerade diese Mindestanforderung. Statt mehr Saft als vorgeschrieben, gibt es mehr Zuckerwasser.

  • Die Website von Niehoffs Vaihinger, einem weiteren in der Gastronomie stark verbreiteten Safthersteller, "erfreut" mit einem dekorativen Intro (darüber hat Larissa Thomasan bereits vor fünf Jahren alles gesagt, was dazu gesagt werden muß: " Splash Pages May Drown Your Site", in: Netmechanic Webmaster Tips). Man kann sich per Suchmaschine nach "Johannisbeer" auf die Suche machen und bekommt sofort alle Produkte dazu angezeigt. Es gibt nur "Schwarzen Johannisbeernektar", keinen weißen, in verschiedenen Gebinden. Er enthält erfreulicherweise mehr Saft als gesetzlich vorgeschrieben und zwar 30%. Di dazugehörige Produktinformation ist wortreich, aber eigentlich inhaltsarm:
    "Der schwarze Johannisbeer Nektar von Niehoffs Vaihinger steht für Trinkerlebnis in Gourmet Qualität. Das volle Aroma reifer schwarzer Johannisbeeren gibt die ganze Geschmacksfülle in unseren Nektar. Laut Lebensmittelrecht ohne Konservierungs- und Farbstoffe. Die Johannisbeere heiß so, weil sie am Tag des heiligen Johannes ihre volle Reife erreicht und dann geerntet werden soll."
    Interessanter wäre es zu erfahren, wo die Früchte herkommen (z.B. wegen der radioaktiven Bestrahlung in der Ukraine), wo Sie zu Nektar verarbeitet worden sind oder wie Sie bei Tests abgeschnitten haben im Vergleich auch zu den Nektaren konkurrierender Anbieter.

    Exkurs: Informativer als die Websites von Hersteller sind mitunter Meinungsportale. So findet man auf Dooyoo, wenn man nach "Johannisbeer Nektar" sucht, einige Anbieter, vor allem aber subjektive Kommentare von Konsumenten. Die könnten zwar auch gefakt sein, aber so clever bzw. hinterhältig sind deutsche Lieferanten wohl nicht.

  • Die Website von Kumpf disqualifiziert sich fast mit einer ungefragt ablaufenden Hintergrundmusik zum "hübsch-häßlichen", gottseidank kurzen Intro, stellt dafür aber "Aktuelles" auf der Website bereits am Eingang auf und kanalisiert die Besucher in die Rubriken Händler, Gastro und Presse (sehr lobenswert, wenn auch im Grunde trivial, aber selten zu sehen auf den Websites altbackener Unternehmen. Deshalb an dieser Stelle mal ein Lob an die Medienmacher GmbH in Ludwigsburg). Auch die Aussagen zur Produktqualität sind vorbildlich. Der Fruchtgehalt beim Schwarzen Johannisbeer-Nektar, beträgt 33%. Kumpf verspricht: "Bei allen Früchten, die wegen ihrer Intensität 'nur' als Nektar angeboten werden können, besticht Kumpf durch unvergleichlich hohe Fruchtgehalte."

  • Wenn man auf der internationen Website von Pago nach dem Part für Deutschland oder Östereich sucht, erfährt man
    "Dear visitor, we are rebuilding our website for you - join us again during November/December 2005! See you!"
    Ich habe Euch gesehen! Aber auch die englischsprachige Information ist wortreich und inhaltsarm. Wieviel Zuckerwasser mitvekauft wird, wird nicht verraten.

  • Klindworth Fruchtsäfte macht zwar große Worte:
    "Als exklusiver Anbieter für den Getränkefachhandel und die Gastronomie hat Klindworth eines der umfangreichsten Sortimente im Nektarbereich. Die Fruchtanteile liegen überwiegend über denen anderer Anbieter und eignen sich so auch ausgezeichnet für die Herstellung hochwertiger Cocktails. Den Großteil unserer Nektare erhalten Sie in Direktsaft-Qualität."
    schweigt sich aber über den Fruchtsaftgehalt konkret lieber aus.
Demnächst mehr ....