Dienstag, Dezember 20, 2005

Schnaeppchen-Theke.

Wir haben bereits mehrmals über "Billig-Kneipen-Konzepte" informiert (siehe z.B. Billigkneipen kontrovers").

Im Jahr 2003 entschied sich ein Dortmunder Gastronom nach 15-jähriger Zusammenarbeit mit einer Brauerei, ein wirklich selbständiger Gastwirt zu werden. Er entwickelte ein in sämtlichen Belangen völlig neues Gaststättenkonzept, eröffnete zunächst eine Gaststätte, nach einigen Monaten die zweite und betreibt beide seit dieser Zeit mit großem Erfolg. Die "Schnäppchen-Theke Dortmund", ein Konzept von P. Schießler, geht über die erwähnten Billigkneipen-Konzepte hinaus und positioniert sich in Verbindung mit dem Konzept Bier-Depot.de nicht nur als Namensgeber für weitere "Schnäppchen-Theken" sondern auch als Dauerlieferant für niedrigpreisiges No-Name-Faßbier (nach deutschem Reinheitsgebot von einer deutschen Brauerei gebraut).

Empfohlen wird ein Verkaufspreis in der Gaststätte von 0,80 Euro je Liter, also mit 4,00 Euro je Liter erheblich unter dem bundesdeutshen Durchschnittsangebotspreis von ca. 6,90 Euro je Liter. Weitere Biersorten, z. B. Brinkhoff's N° 1, DAB, Kronen, Bitburger, Krombacher usw. oder Alt (Diebels, Schlösser, Frankenheim), Weizen (Erdinger, Schöfferhofer), Schwarzbier und Kölsch sind ebenfalls im Angebot; Preise dafür werden nicht genannt. Für das ergänzende Speisenangebot wird ein Preisniveau unter dem Preis von Imbissstuben empfohlen.

"Schnäppchen-Theken" nach diesem Konzept gibt es mittlerweile nicht nur am Stammsitz Dortmund sondern auch bereits in mehreren Bundesländern. Dieses Konzept setzt natürlich voraus, daß keine Bierbezugsverpflichtung für das Objekt besteht.
"Vergessen Sie all Ihre Erfahrungen mit Brauereien, Bindungen an Lieferanten für Spirituosen und alkoholfreie Getränke, Bindung an Automatenaufsteller usw.; mieten Sie Ihr Lokal direkt vom Hauseigentümer ohne Aufschläge etc. ? werden Sie endlich ein wirklich selbständiger Wirt, der da einkauft, wo er es für richtig hält und es günstig ist und dadurch in der Lage ist, seinen Gästen gute Ware zu extrem günstigen Preisen anzubieten."
heißt es in einer Werbe-Mail, die zur Zeit versandt wird.

Wobei sich mir natürlich die Frage stellt, warum man, kaum ist man einer Bezugsverpflichtung gegenüber Braureien und Getränkefachgroßhändlern entronnen, eine vergleichbare Verpflichtung gegenüber den Anbietern des Schnäppchen-Theken-Konzepts eingehen sollte?

So günstig empfinde ich ein Angebot von Büchter-Pils und -Alt zu je 89,00 Euro / Hektoliter (100 Liter á 50 Liter Fässer) zzgl. MWST frei Haus, d. h. Anlieferung bis in den Bierkeller, nun auch wieder nicht. Und auch die Staffel-Lieferpreise ab 74,00 Euro je Hektoliter reißen mich nicht vom Hocker.

Ich muß aber gestehen, daß ich als Gastronom in Bamberg nicht nur qualitativ sondern auch preislich sehr verwöhnt bin. Die fast einhundert Brauereien in und um Bamberg wetteifern um Qualität und sorgen durch Wettbewerb und geringe Distributionskosten für niedrige Preise. Andererseits kann man die Bierpreise in unserem Café Abseits (ab 2,10 für 0,5 Liter) ja auch als "Schnäppchen" betrachten, zumindest aus Nordrhein-Westfalen betrachtet.