Freitag, Januar 20, 2006

Gemein: Verfruehter Aprilscherz.

Die Zeit der weihnachtlichen Sentimentalitäten sei vorbei, habe Claus Grötz festgestellt, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Juristen und Strafrichter am Bundesgerichtshof. Er habe gefordert, daß die Gewinnung von Aussagen mittels leichter Foltermaßnahmen und die Verwertung solcher Aussagen zukünftig möglich zu machen seien: "Juristenbund macht sich für Folter stark", in: Spiegel vom 1. Januar 2006.

Nun spricht spricht wenig dagegen, Juristen Folter anzudrohen, ihnen Schlaf und Nahrung zu entziehen, sie mit Elektroschocks zu malträtieren und unter Drogen zu setzen - vor allem dann, wenn man sie zum Schweigen bringen will.

Doch die Meldung ist ein Fake gewesen und die Agentur AP und infolge auch der "Spiegel" sind darauf reingefallen. Den Qualitätsjournalisten ist nicht aufgefallen, daß es weder einen Bund Deutscher Juristen noch einen BGH-Strafrichter Claus Grötz gibt. Die Macher des Fakes hatten zwar eine Domain für diesen fiktiven Verband errichtet. Die Website des Bundesgerichtshof zu hacken, wäre nicht ganz so einfach gewesen. Dort sind auch die Namen der Richter der Strafsenate zu finden. In einem Erklärungsversuch räumt der "Spiegel" den Machern des Fakes ein, sie wüßten, wie es im Qualitätsjournalismus abgeht:
"Allerdings dürften die Urheber durchaus die Tücken des Nachrichtengeschäfts kennen und auf bessere Verbreitungschancen an einem nachrichtenarmen Feiertag mit beschränkten Recherchemöglichkeiten spekuliert haben."
Wie wäre es mit googeln, wenn das berühmte Spiegel-Archiv verbarrikadiert ist?

Auf der Website der wackeren Juristen heißt es in einem Nachtrag vom 2. Januar 2006 süffisant:
"Der Interviewanfrage des MDR kann Herr Dr. Claus Grötz nicht nachkommen. Er hat nach der berechtigten Rücktrittsforderung der Grünen-Geschäftsführerin Steffi Lemke seine Ämter als BDJ-Vorsitzender und Strafrichter am Bundesgerichtshof niedergelegt."
Damit ist die Latte für rechtzeitige Aprilscherze 2006 hoch gelegt.