Freitag, Januar 20, 2006

Recht und Unrecht.

Sandra Infanger hat in ihrem Blog einige interessante Fragen zu Recht und Unrecht gestellt und hofft auf Antworten, bezogen auf das Schweizer Rechtssystem. Antworten für das deutsche Rechtssytem gibt es demnächst hier. Einfach ab und zu vorbeischauen. Eine der Fragen will ich sofort beantworten:

Frage: "Wenn ein Gast ein Glas Wasser verlangt (kein Mineralwasser, sondern Gewöhnliches) darf man ihm dafür was verlangen? (ich meine Rechtlich). Und wenn nein, wann nicht?"

Antwort: Ein Gastronom darf für seine Dienstleistung, ein Glas Leitungswasser zu servieren oder produktbezogen ausgedrückt ein Glas Leitungswasser, einen Preis verlangen. Wenn ein Preis in seiner Speisekarte steht und diese Speisekarte dem Gast zur Verfügung steht oder er auf Nachfrage eine erhält, muß der Gast zweifelsfrei zahlen, wenn er dieses Produkt bestellt und seine Bestellung akzeptiert wird.

Verlangt der Gast eine Dienstleistung oder ein Produkt, das im Preisverzeichnis nicht enthalten ist, müssen sich Gast und Gastronom entweder auf einen Preis einigen oder wenn sie bei Bestellung und Bestellannahme über den Preis nicht sprechen, wäre - letztlich von einem Gericht eventuell unter Hinzuziehung eines Sachverständigen - zu entscheiden, welcher Preis dafür ortsüblich und bezogen auf das sonstige Preisniveau des Gastronomen angemessen ist. Alternativ könnte man den Deckungsbeitrag eines alternativen Getränks (etwa Mineralwasser) als angemessenen Preis ansetzen, also den entgangenen Gewinn, weil man statt eines gelisteten Produkts eine Alternative serviert hat.

Ob ortsüblich für Leitungswasser ein Preis verlangt wird, ist regional unterschiedlich. Welche Turbulenzen zu erwarten sind, wenn man in einem Land wie Österreich, wo das kostenlose Glas Leitungswasser als Zugabe zum Kaffee traditionell dazu gehört, Geld verlangt, deutet ein Artikel der Wiener Tageszeitung "Der Standard" an: "Saft und Wasser ist erfrischend teuer" vom 1. Juli 2004 (dummerweise nur noch für Abonnenten zugänglich).

Warum es sinnvoll sein kann, bestimmte Produkte und Dienstleistungen kostenlos anzubieten, verraten wir in unserem früheren Beitrag "Kostenlos fliegen".