Freitag, Februar 24, 2006

Beruhigungspillen gegen die Vogelgrippe.

Die Vorsitzende des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestages, Marlene Mortler (CSU), versucht in einer Pressemitteilung des Deutschen Bundestages vom 24. Februar 2006 die Bevölkerung in Bezug auf die Vogelgrippe zu beruhigen: "Abseitsverdächtige Gedankenspiele" (wie kommt sie nur auf diesen Titel?).

Doch wenn man den vielen Äußerungen unserer Politiker auf den Grund geht, wird man eher beunruhigt:
  • Es wird gerne davon gesprochen, es stünde für bis zu 20% der Bevölkerung Tamiflu zur Verfügung. Tatsächlich haben die Bundesländer solche Mengen nur bestellt. Die geplanten Liefertermine reichen bis ans Ende dieses Jahres; telweise werden Lieferzeiten bis ins Jahr 2010 oder 2012 genannt. Ob diese Mengen dann auch wirklich geliefert werden, steht auf einem anderen Blatt. Bereits eingelagert sind erheblich kleinere Mengen, in Berlin z.B. nur für 7,2 Prozent der Bevölkerung (Quelle: "Berlins Notfallplan: 3 km Sperrzone um tote Vögel geplant", in: Berlin1.de vom 21 Februar 2006) und in Baden-Würtemberg nur für 7,6 Prozent der Bevölkerung (Quelle: "Tafmiflu-Vorrat wird nicht erhöht", in: Südwest Aktiv vom 24. Februar 2006).
  • Für sich selbst haben die Politiker vorgesorgt. Zumindest verstehe ich so eine Bemerkung einer Sprecherin des Bundesgesundheitsministerium, der Bund müsse bei einer Pandemie Vorsorge treffen, damit die Personen, die für ein funktionierendes Regierungshandeln unverzichtbar seien, mit Medikamenten versorgt würden. Nach Angaben der Bild-Zeitung soll die Bundesregierung rund 60.000 Packungen der Antivirus-Medikamente für den Eigenbedarf gelagert haben. Das Ministerium habe einen Antrag des Blattes auf Akteneinsicht in die entsprechenden Unterlagen abgelehnt, weil es eine Beeinträchtigung der inneren Sicherheit befürchte (Quelle: "Bundesregierung dementiert Vorwürfe zu heimlichen 'Tamiflu'-Vorräten", in: Deutsches Ärzteblatt vom 17. Februar 2006).
Siehe zu dem Thema auch den Kommentar von Timm Krägenow: "Nichts zu lachen", in: Financial Times Deutschland vom 24. Februar 2006. Er schreibt u.a.:
"Noch ist Zeit zu planen. Viele Dienstleister könnten dank Telearbeit dafür sorgen, dass ihr Geschäftsbetrieb während einer Pandemie weiterläuft und das Risiko für die Mitarbeiter sinkt. Das erfordert keinen großen Aufwand, müsste aber jetzt vorbereitet werden.

Kommt die Pandemie, gibt es nichts mehr zu lachen. Danach aber werden die Politiker und Firmen gut dastehen, die jetzt einen Minimalaufwand an Krisenplanung betreiben."
Wie man als Gastronom möglicherweise vorsorgen kann, steht in unserem Beitrag "Notfallplan Vogelgrippe".