Mittwoch, Februar 22, 2006

Kostbares Nass: Mineralwasser in der Gastronomie.

Mehr als Billigsprudel: Manfred Mödinger sprach auf der INTERGASTRA 2006 zum Thema "Mineralwasser genießen - neue Ideen für die Gastronomie".
"Wasser ist das wichtigste Lebensmittel des Menschen"
- so begann Unternehmensberater und Getränkefachmann Manfred Mödinger seinen Vortrag in der GEFAKO FIZZZ Lounge auf der INTERGASTRA in Stuttgart. Dennoch habe das Wasser insbesondere in der Gastronomie längst nicht den Stellenwert, den es eigentlich verdiene. In der oft stiefmütterlichen Behandlung des "Sprudels" jedoch liegt der Grund für die mangelnde Akzeptanz teurer Produkte beim Kunden. Mödinger:
"Wir müssen bei den Marken-Mineralwässern alles daran setzen, den Menschen den über den Preis verlangten Mehrwert nachzuweisen."
Der Konsument erlebe Mineralwasser heute als Billigprodukt, erklärte Mödinger. Ein besonderes Problem stellten hier die Discounter-Marken dar, die mittlerweile rund 40 Prozent des gesamten Mineralwasserkonsums in Deutschland ausmachten. Vor zwei Jahren lag die Marke noch bei 15 Prozent.
"Der Konsument nimmt Wasser als preiswert wahr. Wie soll man einem Gast, der gerade eine 1,5-Liter-Flasche für 19 Cent gekauft hat, erklären, dass er in der Gastronomie für ein 0,25-Liter-Fläschchen 1,50 Euro bezahlen soll?"
Doch genau darum geht es - um die Erklärung. Denn ein gutes Mineralwasser ist sein Geld wert. Dafür sorgt allein schon der Gesetzgeber, der vorschreibt, dass Wasser so unverändert wie möglich zum Kunden gelangen soll.
"Theoretisch müsste die Flasche wie beim Wein vor den Augen des Gastes geöffnet werden"
sagte Mödinger.
"Das kommt in der Praxis aber zu selten vor. Es wäre ein erster, einfacher Schritt, um den Mehrwert für den Gast zu begründen."
Daneben sollte mehr auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Kunden eingegangen werden. Mödinger:
"Das Restaurant oder das Lokal muss das im Angebot haben, was der Konsument auch für zuhause kauft, also die drei Kategorien Still, Medium und Classic."
In der Gastronomie sei es darüber hinaus wichtig, dem Konsumenten einige Informationen über das angebotene Mineralwasser an die Hand zu geben, etwa in Form eines schlichten Zweizeilers auf der Getränkekarte.
"Wenn wir das Wasser erklären, dessen Herkunft, Ursprung und Besonderheiten herausstellen, wird es für den Gast dadurch ein kleines bisschen interessanter"
sagte Mödinger.

Die "Hohe Schule des Mineralwassers" geht freilich einen großen Schritt weiter. Es beginnt damit, dass man das jeweils passende Wasser zum bestellten Tee, Kaffee oder Wein serviert.
"Stellen Sie sich vor, Sie bekommen zum Whisky ein begleitendes Mineralwasser, aus dem auch die Eiswürfel hergestellt sind"
schwärmte Mödinger.
"Oder Sie erfahren, dass die Soße zum Essen mit einem besonders kalzium- und magnesiumreichen Wasser zubereitet wurde. Das sind alles Bereiche in der Gastronomie, die sich hervorragend mit Mineralwasser verbinden lassen."
Möglichkeiten, Mineralwasser zu inszenieren, gebe es viele: So könnten zum Beispiel Wellness- oder Fastenhotels eigene Mineralwässer zur Entschlackung anbieten.
"Nichts wird in Deutschland mehr getrunken als Mineralwasser"
sagte Mödinger.
"Alles dreht sich nur darum, den Konsumenten auf die Vielfalt hinzuweisen."
Geht es nach Manfred Mödinger, gehören sechs bis acht verschiedene Mineralwässer, eingestuft nach Kohlensäuregehalt, Mineralisation und Herkunft, auf die Getränkekarte jeder guten Gastronomie. Wird das Angebot umfangreicher, können Untergruppen gebildet werden, etwa "Wasser zum Wein", "Heilwasser" oder "Unsere Heimat". Eines dürfe man jedoch nicht vergessen, mahnte Mödinger:
"Die wichtigste Form der Kommunikation in der Gastronomie ist immer noch das persönliche Gespräch zwischen Gastgeber und Gast."
Wer also selbst etwas Grundwissen mitbringe, der erreiche auch sein Ziel: die Preisbegründung. (Quelle: Pressemitteilung der Messe Stuttgart).