Montag, Februar 20, 2006

Nicht Österreich, sondern Frankreich ist beliebtestes Reiseziel der Chinesen.

Frankreich ist nach dem Ergebnis einer China-Studie von Birgit Mayrhuber von der Fachhochschule Salzburg, für welche 1000 Interviews geführt worden sind, das mit Abstand bekannteste, das beliebteste und das bisher am öftesten besuchte Reiseland der Chinesen. Der Grund dafür liegt im Image Frankreichs als romantischstes Land der Welt, das für die Chinesen eine magische Anziehungskraft auszuüben scheint. Österreich liegt im guten Mittelfeld der populären Reiseziele Europas. Es ist sowohl bekannt als auch beliebt. Österreich ist für rund 60% der Befragten eine Wunschreisedestination.

Das Image ist allerdings rein auf die Kultur fokussiert: Musik, Wien und das Neujahrskonzert sind die wichtigsten Assoziationen, die Chine-sen mit Österreich in Verbindung bringen. Österreich steht bei den Chinesen primär für Musik, aber nur zu einem geringen Maß für schöne Landschaft, wohingegen sich die Schweiz bereits als das Land des Wintersports positioniert hat. Kulturtourismus begünstigt in der Regel Städte (Wien) und ist geprägt von einer geringeren Nächtigungsdauer.
"Will man das Potenzial des chinesischen Tourismus für ganz Öster-reich nutzbar machen, dann muss es gelingen das Kulturimage um weitere Schwer-punkte wie etwa Wintersport oder Golf zu erweitern"
empfiehlt Studienautorin Mag.(FH) Birgit Mayrhuber.

Salzburg: Nur geringe Zuordnung zu Mozart und "Sound of Music"

Salzburg nimmt in der Bekanntheit österreichischer Städte Rang zwei hinter Wien ein, erhält allerdings auch bei gestützter Abfrage nicht mehr als 14% der Nennungen im Gegensatz zu Wien mit 59%. Die hohe Präsenz Wiens kann mit seiner Rolle als Hauptstadt bzw. mit der jährlichen Ausstrahlung des Neujahrskonzerts erklärt wer-den, welches mit 56% ebenfalls eine enorm hohe Bekanntheit aufweist. Mozart liegt mit einem Wert von 48% genauso wie der Film "Sound of Music" mit 43% weit über dem der Bekanntheit Salzburgs (14%). Daraus kann abgeleitet werden, dass Salzburg in seiner Tourismuswerbung diese Imageträger vermehrt nutzen sollte. Bei Mozart kommt hinzu, dass die Chinesen den Besuch von Geburts- und Wirkungsstätten berühmter Persönlichkeiten als wesentliches Reisemotiv nennen.

Zielmarkt ist jüngere Bevölkerungsschicht

Der/die potenzielle Österreich-Urlauber/-in ist zwischen 20 und 39 Jahre alt (75% der Befragten, die einen Österreich-Urlaub in Betracht ziehen). Diese Bevölkerungsschicht ist es, der das wirtschaftliche Wachstum und damit der Anstieg des allgemeine Wohlstandes in den nächsten Jahren zu gute kommen wird. Daher wird die Chance, sich eine Europareise und damit einen Besuch Österreichs leisten zu können, steigen.

Mehr als die Hälfte der Befragten, die schon eine Europareise gemacht haben, reisten in den vergangenen beiden Jahren, in denen sich nicht nur die chinesische Wirtschaft überdurchschnittlich entwickelt hat, sondern in denen auch die politischen Rahmenbedingungen (ADS und liberalisierte Passpolitik) einer größeren chinesischen Bevölkerungsschicht Auslandsreisen ermöglicht haben.

Experten gehen davon aus, dass neben dem Wegfall gesetzlicher Reisehindernisse allein schon durch die wirtschaftliche Entwicklung Chinas von einem Anstieg der Reisetätigkeit in Richtung Europa ausgegangen werden kann. Das chinesische BIP steigt noch immer mit mehr als 9% jährlich. Dazu kommt, dass derzeit noch 84% der Befragten das Fehlen entsprechender finanzieller Mittel als Haupthindernis für eine Europareise nennen.
"Mit dem steigenden Wohlstand ist aber auch mit dem Wegfall dieses Reisehindernisses zu rechnen"
erläutert Mayrhuber.

Zeitmangel hat mit 46% der Nennungen als Reisehindernis für eine Europareise eine hohe Bedeutung, die mittelfristig auch nicht abnehmen wird. Geht man allerdings davon aus, dass die Mehrzahl der Reisewilligen unter 40 Jahre alt und damit voll in den Erwerbsprozess integriert ist, so ist zu erwarten, dass diese Bevölkerungsschicht auf jeden Fall mit Erreichen des Pensionsalters vermehrt nach Europa reisen wird.

Fremdsprachenkenntnisse kein Hinderungsgrund

Dass lediglich 23% der Befragten mangelnde Fremdsprachenkenntnisse als generelles Hindernis für eine Europareise nennen, obwohl das Fremdsprachen-Know-how in China nach übereinstimmender Expertenmeinung als sehr gering einzustufen ist, kann damit erklärt werden, dass Chinesen prinzipiell nur als Gruppe und unter fremdsprachiger Führung verreisen können. Chinesische Reiseinformationen und das Vorhandensein einer chinesischsprachigen Speisekarte werden demgegenüber von 38% bzw. 36% als sehr wichtige Ausstattungskriterien der gehobenen Hotellerie genannt. Österreichische Hotels weisen in dieser Hinsicht durchwegs Mängel auf.

Internet das wichtigste Informationsmedium für Auslandsreisen

Zu den meist bereisten Ländern Europas zählt Frankreich, knapp gefolgt von Deutschland. Österreich liegt laut diesem Ranking auf Platz vier vor Italien und der Schweiz.

Die beliebtesten Reisemonate sind für 30% der Befragten April und Mai und für wei-tere 28% September und Oktober.

Chinesen reisen bevorzugt mit der Familie und Verwandten (39%), weitere 38% reisen mit Freunden, mit Kollegen reisen 26% und mit dem Ehepartner/der Ehepartnerin 23%. Nur etwa 14% reisen allein.

Das Internet ist auch für Chinesen bereits das wichtigste Informationsmedium für Auslandsreisen, 54% der Befragten nutzen es zur Reisevorbereitung. Weitere 50% informieren sich in Reiseberichten sowie in Zeitungen und Magazinen. Gebucht werden Auslandreisen jedoch vorwiegend im Reisebüro.

Der chinesische Reisemarkt ist im Moment noch sehr auf Gruppenreisen eingestellt. Das Segment Individualreise wird zunehmend an Bedeutung gewinnen, jedoch die Gruppenreise mittelfristig nicht verdrängen. Nach überwiegender Expertenmeinung werden lediglich geringe Anteile des Gruppenmarktes an den Individualmarkt gehen.

Besondere Erwartungen an die Hotelausstattung

Das Thema Sicherheit ist für Chinesen außerordentlich wichtig. Für Österreich ergibt sich daraus die einmalige Chance, sich mit seinen im internationalen Vergleich hervorragenden Sicherheitsstandards zu positionieren.

Chinesen auf Reisen haben besondere Erwartungen an ein Hotel, die entsprechend zu berücksichtigen sind.

Zu den wichtigsten Ausstattungskriterien zählt laut Untersuchung "heißes Wasser am Zimmer für Tee", wobei eine Thermoskanne genügt und kein Wasserkocher am Zimmer verfügbar sein muss. Hygieneartikel (Kamm, Zahnbürste, usw.) werden ebenfalls erwartet. 41% der Chinesen wünschen sich eine Klimaanlage im Zimmer. Österreichische Hoteliers sollten dementsprechend klar kommunizieren, dass eine solche im österreichischen Klima in der Regel nicht erforderlich ist. Chinesisches Frühstück und Chop Sticks sind immerhin noch für ein Viertel der Befragten "sehr wichtig".

Fazit der jungen China-Expertin Mag. (FH) Mayrhuber:
"Österreich und Salzburg stehen bei ihren Bemühungen um den Tourismusmarkt China noch am Anfang. Zwar gibt es bereits erste Vorstellungen und Images in den Köpfen der potenziellen Gäste, diese müssen aber noch konkretisiert werden. Angesichts der enormen wirtschaftlichen Perspektiven in China macht es Sinn, diesen Markt in Zukunft weitaus intensiver zu bearbeiten. Österreich und Salzburg müssen zu einer konkreten Marke bei unseren potenziellen zukünftigen Gästen aus China werden!"
Die Studie finden kann man kostenlos downloaden von der Website der Fachhochschule Salzburg. Rückfragen: Fachhochschule Salzburg GmbH - Salzburg University of Applied Sciences Prof. (FH) Mag. Leonhard Wörndl, Tel. 050-2211-1351, E-Mail: leonhard.woerndl@fh-salzburg.ac.at, Mag. (FH) Birgit Mayrhuber, Tel. 0650/93 10 381, E-Mail: birgit.mayrhuber@gmx.at).