Dienstag, Februar 21, 2006

Notfallplan Vogelgrippe.

In meinem Beitrag "Was tun, wenn die Vogelgrippe auch zu Ihnen kommt?" habe ich Tipps gegeben, was man als Gastronom tun kann, wenn auch in der eigenen Region Vögel massenweise an der Vogelgrippe sterben.

Doch es gibt ein viel schlimmeres Szenario, nämlich das einer Pandemie, bei der der Vogelgrippevirus mutiert und sich von Mensch zu Mensch überträgt. Was dann passsiert und zwar nicht erst, wenn die ersten Menschen in ihrer Stadt sterben, sondern als hysterische Reaktion schon dann, wenn sowas woanders in Deutschland geschehen sollte, kann man sich kaum ausmalen. Siehe dazu: "Vogelgrippe: Bei Epidemie bricht die Ordnung zusammen", in: Schwäbisches Tagblatt vom 21. Februar 2006.

Ich will es dennoch versuchen und überlegen, wie man sich als Gastronom darauf vorbereiten kann.
  • Mitarbeiter: Schätzungsweise ein Drittel Ihrer Mitarbeiter wird erkranken, aus Angst vor der Krankheit nicht zur Arbeit erscheinen oder es vorziehen, Verwandte und Freunde zu pflegen. Es ist damit zu rechnen, daß Kindergärten und Schulen vorsorglich schließen, dann brauchen die Kinder Ihrer Mitarbeiter ihre Eltern zu Hause. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter wissen lassen, daß Sie sich Gedanken gemacht und Vorsorge getroffen haben, werden sie eher bereit sein, sich dem höheren Ansteckungsrisiko am Arbeitsplatz auszusetzen. Bei Mitarbeitern mit Kindern könnten Sie diese dadurch beruhigen, daß Sie ihnen versprechen, ihnen für die Pflege ihrer Kinder freizugeben. Bitten Sie zum Ausgleich Mitarbeiter ohne Kinder um Mehrarbeit bzw. bereiten Sie darauf vor. Bevorraten Sie Atemschutzmasken und nicht apothekenpflichtige Medikamente, Multivitamintabletten usw. gegen Grippe, um sie an Mitarbeiter auszugeben. Bieten Sie Mitarbeitern, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, einen Abhol- und Heimfahrservice oder stellen Sie, falls möglich, Schlafplätze im Betrieb oder in Betriebsnähe bereit.
  • Lieferanten: Es muß damit gerechnet werden, daß die Lieferanten weniger lieferfähig sind. Zum einen leidet die Produktion unter der Pandemie. Zum anderen werden die Mitarbeiter der Lieferdienste zögern, ihren Job zu machen, bei denen sie vielen Menschen begegnen. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, daß Regionen abgeriegelt werden, sowohl die Region, in der sie leben, als auch die Region, in der Ihr Lieferant seinen Sitz hat. Was können Sie tun? Stocken Sie Ihre Vorräte auf, vor allem mit Produkten, die lange lagerfähig sind. Dann können Sie, falls die Pandemie doch nicht kommt, diese Vorräte verbrauchen.
  • Gäste: Es wird nach Ausbruch der Panepedemie kaum noch ein Gast sich mit anderen Gästen bei Ihnen aufhalten wollen. Aber auch wenn die Gäste lieber zu Hause bleiben, bedeutet dies nicht, daß die Nachfrage nach Speisen und Getränken zusammenbricht, sondern nur, daß noch mehr nach Lieferdienste und Take-Away-Services gefragt werden als schon in normalen Zeiten. Wie können Sie sich darauf vorbereiten? Wenn Sie keine oder für die starke Nachfrage nicht genug betriebliche Fahrzeuge haben, reden Sie mit Ihren Mitarbeitern, wer bereit ist, sein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen oder selbst damit auszufahren. Bevorraten Sie Einwegverpackungen (Mehrwegverpackungen verbieten sich wegen des Ansteckungsrisikos). Sorgen Sie dafür, daß das Telefon ständig besetzt ist. Wo bislang neben der sonstigen Arbeit ans Telefon gegangen worden ist, kann man überlegen, einen Mitarbeiter dafür einzuplanen. Bieten Sie auf Ihrer Website Informationen über ihren Lieferservice und die Möglichkeit, sich Speisen und Getränke abzuholen.
  • Produkte: Bieten Sie vermehrt Produkte an, die kein Geflügel enthalten, und Produkte, die Stoffe enthalten, die grippegeschwächten Menschen helfen, oder vorbeugen, z.B. mit Vitamin C angereicherte Getränke und Speisen. Bündeln Sie Produkte zu Paketeten. So vereinfachen Sie den Bestell- und Liefervorgang. Solche Pakete können z.B. so konzipiert sein, daß sich damit ein Erwachsener einen Tag lang versorgen kann. Regen Sie bei der Bestellannahme an, gleich für alle Personen des Haushalts für mehrere Tage Pakete zu bestellen oder für die spätere tägliche Lieferung zu abonnieren.
  • Preise: Obwohl die Zahlungsbereitschaft steigen wird, weil die Menschen froh sein werden, überhaupt etwas zu essen und trinken geliefert zu bekommen, sollten Sie die Preise Ihrer üblichen Produkte nicht erhöhen. Unproblematisch ist es aber, neue Produkte, die Sie wegen der Grippe vorübergehend anbieten, besser zu kalkulieren. Und Sie sollten sich den Lieferservice zahlen lassen. Dann fällt es Ihnen auch leichter, Ihre Mitarbeiter mit Boni und Lohnzuschlägen zur Mehrarbeit zu motivieren und die Umsatzverluste im stationären Geschäft zu verkraften.
  • Sponsoring/Marketing: Nutzen Sie Ihren Vorteil, daß Sie sich auf diese Krise vorbereitet haben, Ihr Image zu verbessern. Bieten Sie z.B. professionellen und ehrenamtlichen Helfern (Feuerwehr, Technischer Hilfsdienst, karitativen Einrichtungen usw.) an, sie mit Speisen und Getränken zu versorgen.