Sonntag, März 19, 2006

Gesetzlicher Mindestlohn: Bitte keine franzoesischen Verhaeltnisse.

Dem Teil der deutschen Gewerkschaften, der sich für einen gesetzlichen Mindestlohn ausspricht, also die eher schwachen Gewerkschaften Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), kommt ein Gefälligkeitsgutachten "Mindestlöhne in Europa" des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung gerade recht - wie bestellt.

Demgegenüber stellt Prof. Dr. Beatrice Weder di Mauro, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, in einem Interview "'Mindestlohn wäre ein Rückschritt'", in: Welt am Sonntag vom 19. März 2006, fest:
"In allen politisch realistischen Höhen wären Mindestlöhne schädlich. Einen Niedriglohnsektor zu fördern und gleichzeitig Mindestlöhne einzurichten, die in Deutschland wohl relativ hoch ausfallen würden, widerspricht sich völlig. Alles in allem hätten wir dann sicher einen Rückschritt auf dem Arbeitsmarkt, keinen Fortschritt."
Wieso kann man beim Blick zu den europäischen Nachbarn auf die Idee kommen, Mindestlöhne könnten einen Beitrag zum Abbau der Arbeitslosigkeit leisten? Z.B. hat der gesetzliche Mindestlohn in Frankreich zu einer sehr hohen Arbeitslosigkeit von Jugendlichen, jungen Arbeitnehmern und Berufsanfängern geführt, die sich in teils gewalttätigen Demonstrationen manifestiert (zuletzt beim Terror moslemischer Jugendlichen in den Vororten und zur Zeit bei Demonstationen von privilegierten Schülern und Studenten). Deren Arbeitsproduktivität ist in den ersten Jahren ihrer Berufstätigkeit in vielen Fällen niedriger als der hohe gesetzliche Mindestlohn in Frankreich. Deshalb werden sie nicht eingestellt.

In Deutschland liegen hingegen im System der dualen Berufsausbildung die sogenannten Ausbildungsvergütungen erheblich unter den tariflichen Mindestentgelten für ungelernte Mitarbeiter und spiegeln die geringe Produktivität von Berufsanfängern wider. Schulabgänger finden so bei Ausbildungsvergütungen von 3 bis 4 Euro je Stunde im Gastgewerbe einen Ausbildungsplatz. Von einer hohen Jugendarbeitslosigkeit sind deshalb in Deutschland im Wesentlichen nur solche Jugendliche und jungen Arbeitnehmer betroffen, die den Anforderungen einer Berufsausbildung nicht enstprechen, z.B. mangels ausreichend guter deutscher Sprachkenntnisse.