Donnerstag, April 20, 2006

Bruttostundenlohn von Euro 5,00 soll netto Euro 6,50 ergeben.

Eine Pressemitteilung des Landesbezirks Bayern der Gewerkschaft Nahrungsmittel und Gaststätten) gebe ich unkommentiert wieder:

Neben der allgemein verbreiteten Schwarzarbeit im Hotel- und Gaststättengewerbe haben sich die bayerischen Wirte und Hoteliers eine neue, aber aus Sicht der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gesetzwidrige Form der Entlohnung einfallen lassen.

Nach Angaben der Gewerkschaft NGG bieten immer mehr Arbeitgeber so genannte "steuer- und sozialversicherungsoptimierte" Stundenvereinbarungen an.

"Mit den Mitarbeitern im Hotel- und Gaststättengewerbe wird arbeitsvertraglich eine Grundvergütung in der Stunde von brutto 5,00 Euro vereinbart. Gleichzeitig wird ihm zugesichert, dass er netto 6,50 Euro ausbezahlt bekommt", erklärt Hans Hartl, Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft NGG.

"Diese Vorgehensweise dürfte weder dem bayerischen Finanzminister Kurt Faltlhauser, noch den Sozialversicherungsträgern gefallen", glaubt Hartl und weiter: "Die Wirte und Hoteliers, die dieses System anwenden entziehen sich vorsätzlich der staatlichen Finanzierung und wirtschaften in die eigene Tasche und schwächen zudem bewusst das Sozialsystem."

Für die Arbeitnehmer kommt das böse Erwachen, wenn aufgrund dieser Entlohnungsform der Arbeitnehmer nach einer 6wöchigen Arbeitsunfähigkeit, Krankengeld bezieht oder arbeitslos wird und so gut wie keine Leistungen erhält, da kaum in die Sozialversicherung einbezahlt wurde. Am stärksten sind jedoch die Auswirkungen bei Rentenbezug, da für die Berechnung des Altersruhegeldes auch lediglich aus dem Grundlohn (z. B. Euro 5,00 brutto pro Stunde) herangezogen wird.

Hartl sieht sich in seiner Auffassung bestätigt, dass die Große Koalition in Berlin unverzüglich eine Mindestlohnregelung einführen muss. "Bei den von uns geforderten Euro 7,50 bis 9,00 brutto besteht eben nicht mehr die Möglichkeit des Betruges und der Wettbewerbsverzerrung durch Dumpinglöhne," so Hartl abschließend.