Montag, April 24, 2006

Qualitaetsjournalismus à la Spiegel.

Spiegel online meldet soeben:
"Bei der Neuordnung seiner Industriebeteiligungen kann der Bund auf ausländisches Kapital kaum verzichten. Nun hat die staatliche Förderbank KfW sogar einen Teil der Telekom an den US-Finanzinvestor Blackstone verkauft.

London - Rund 191,7 Milliarden Euro wird der US-Finanzinvestor für das Paket von rund 191,7 Millionen Aktien bezahlen, wie die KfW mitteilte."
(Quelle: "Blackstone steigt bei Telekom ein", in: Spiegel Online vom 24. April 2006)

191,7 Milliarden Euro für 4,5 Prozent der Telekom? Damit wäre die Telekom insgesamt 4.260 Milliarden Euro wert und der wahre Wert der Aktie läge bei 1.000 Euro statt aktuell 13,65 Euro.

Liebe Spiegel-Redaktion, zahlt doch Euren Praktikanten ein paar Euro mehr, damit die mit Geld umgehen können und nicht kopflos Meldungen der Presseagenturen per copy & paste veröffentlichen.

In der ursprünglichen Exklusiv-Meldung der Financial Times Deutschland ("Exklusiv Investor plant Einstieg bei Telekom") steht doch die richtige Zahl ("ungefähr 3 Mrd. Euro") drin. Und Börse Online ("Investor plant Einstieg bei Telekom") zeigt es Euch, wie man es machen sollte: Quelle angeben und richtig abschreiben.

In der Ausgabe Mai 2005 der Mitgliederzeitung der Industriegewerkschaft Metall, die auf dem Titel eine Heuschrecke zeigt mit einer langen Nase und einem Hut mit amerikanischer Flagge und den Titel "Die Aussauger" herausstellte, wurde dieser Finanzinvestor Blackstone diffamiert. In der Einleitung zu einem Artikel von Werner Rügemer, die vermutlich nicht von ihm stammt sondern von der Redaktion, heißt es unter der Überschrift "Die Plünderer sind da":
"Blackstone, KKR, Investcorp - Finanzinvestoren aus Amerika schlachten deutsche Unternehmen aus. Sie kaufen die Firmen, um sie kurz darauf mit Gewinn weiter zu veräußern. Rücksicht auf Menschen, Regionen oder Traditionen nehmen die amerikanischen Finanziers nicht. Wie Mücken saugen sie aus den Betrieben das Geld, um dann nach dem gleichen Muster weiter zu schwärmen. Leidtragende sind die Menschen."
Quelle: "Kapitalismuskritik als Antisemitismus", in: all4all.org, die als Quelle "Arbeiterfotografie" angibt.