Freitag, Mai 26, 2006

Interaktive Wertschoepfung.

Als das Drucken und der Buchdruck erfunden worden sind, ging es weniger darum Geld zu verdienen. Vielmehr sollten Inhalte unter das Volk gebracht werden, das sich handgeschriebene Bücher nicht leisten konnte. Heutzutage hingegen scheuen die meisten Verlage die kostenlose Verbreitung von Inhalten wie der Teufel das Weihwasser. Dabei entwickeln sich bei digitalen Inhalte die Grenzkosten der Verbreitung gegen Null. Siehe dazu auch meinen älteren Artikel "Buchverlage im Zeitalter des Internets".

Die Autoren des Buches "Interaktive Wertschöpfung. Open Innovation - Mass Customization - Value Creation", also Ralf Reichwald und Frank Piller, dürfte es einige Überredungskunst gekostet haben, den etablierten Verlag Gabler dazu zu bewegen, wenigstens Teile des Buches kostenlos online zu stellen. Sie schreiben dazu:
"Für einen etablierten Verlag wie Gabler ist diese Strategie völlig neu, deshalb dürfen wir auch (noch) nicht den vollständigen Text online stellen. Doch wir glauben, dass Innovation auf den freien und einfachen Zugriff auf Wissen basiert. Unser Ziel ist in erster Linie die Anregung einer Diskussion von Open Innovation und Mass Customization. Und als Wissenschaftler sind wir natürlich dadurch motiviert, dass möglichst viele Leute unsere Arbeiten lesen und zitieren. Dem kommt ein "Open Publishing" nur entgegen."
Die Erfahrungen anderer Verleger, die Inhalte kostenlos online zur Verfügung gestellt haben, sprech jedoch dafür, daß die Hoffung der Autoren in Erfüllung geht:
"Gleichzeitig hoffen wir jedoch auch auf das faire Verhalten unserer Leser: Wenn sie das Buch mögen, sollen sie es auch kaufen, um die Wertschöpfung des Verlags zu honorieren. Zudem ist der Ladenpreis nur unwesentlich teurer als ein Ausdruck des ganzen Buchs, bei gleichzeitig deutlich höherer Qualität."
Wenn Gastronomen mit den Begriffen "interaktive Wertschöpfung", "open innovation" und "mass customizing" konfrontiert werden, um die sich dieses Buch dreht, werden sie sich mit Unverständnis oder gar Grausen abwenden. Tatsächlich geht es jedoch um betriebswirtschaftliche Verhaltensweisen, die den meisten Gastronomen an sich gut vertraut sind. Denn Gastronomen sind es gewohnt, ihren Gästen in die Augen und auf die Finger zu schauen.

Bei der "interakiven Wertschöpfung" gestalten Gastronomen Produkte und Dienstleistungen zusammen mit ihren Gästen. Mitunter bestimmen Gäste sogar ihre Entwicklung und Herstellung.

"Open Innovation" bezeichnet den Einbezug der Gäste in die Produktentwicklung. Ein Beispiel aus der Gastronomie ist ein Ideenwettbewerb des Fünf-Sterne-Hotel Marriott am Potsdamer Platz. Kinder bis zum Alter von 12 Jahren konnten Vorschläge für das Speiseangebot und ihre Darreichungsform machen: Wettbewerb: Kinder können Marriott-Speisekarte gestalten" von Katrin Schoelkopf, in: Berliner Morgenpost vom 11. Dezember 2003.

Bei der "Mass Customization" erhält jeder einzelen Kunde genau das Produkt, das seinen Wünschen entspricht, zu einem von ihm akzeptierten Preis. Dies ist gängiges Prinzip bei Partyservice und Catering oder auch bei der Bewirtung von Familien- und Betriebsfeiern. Ein schönes Beispiel aus der Gastronomie ist der Online-Shop des Partyservice Lehrieder in Nürnberg. Neben Angeboten, die in traditioneller Weise im Rahmen einer individuellen, persönlichen Beratung zusammengestellt werden, können sich Kunden aus einem Katalog standardisierter, einzelner Produkte ein individuelles Paket aus Speisen, Getränken, Ausstattungsgegenständen und Dienstleistungen zusammenstellen. An sich ist ein solcher Online-Shop zwar trivial, aber er wird hier in geschickter Weise dazu benutzt, daß sich der Kunde gewissermaßen selbst berät.

Downloads und weiterführende Informationen zum Buch finden Sie auf der Website zum Buch open-innovation.com.