Mittwoch, Juli 19, 2006

Stammgaeste kaufen.

Sind Sie schon einmal in die Gaststätte eines Wettbewerbers marschiert und haben dort dem Stammgast, der am meisten konsumiert, angeboten, daß er - sagen wir einmal 2.000 Euro erhält, wenn er ab sofort nur noch bei Ihnen konsumiert?

Rechnen würde sich dies vermutlich, denn der Customer Life Time Value mancher Gäste dürfte höher sein, zumindest wenn nicht soviel konsumiert wird, daß die Lebenserwartung dastisch sinkt. Dabei habe ich die zusätzlichen Umsatzerlöse noch gar nicht gerechnet, die sich daraus ergeben, daß der eingekaufte Gast so charmant ist, daß er andere Gäste mit sich zieht (es gibt natürlich auch Mitmenschen, die andere Gäste abstoßen).

Daß man Kunden kauft, ist in anderen Branchen nicht unüblich:
  • Denken Sie an die Werbeprämien von Zeitungen, Zeitschriften, Buchclubs usw., deren Wert häufig die Umsatzerlöse der ersten beiden Jahre eines Abonnements übersteigt - was Menschen, die rechnen können, dazu anregen mag, solche Anbieter abzuzocken.
  • Mitunter werden ganze Unternehmen gekauft, nur weil man an deren Kunden interessiert ist, wie z.B. bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone, und bereit ist, viele Hundert Euro pro Skalp zu zahlen.
Auch bei Online-Communities hat der Kauf von fremden Communities Traditon. So wurden übernommen:
  • Geocities von Yahoo,
  • Tripod von Lycos
  • Xoom übernommen von NBCi.com.
  • Amazoncity, die erste Community für Frauen, von Herspace.com,
  • Grrlspace für Girls von Herspace.com.
Siehe dazu auch: "Kann man eine Community kaufen?", in: Fischmarkt vom 19. Juli 2006.

Bevor jetzt jemand lästert, ich hätte geraten, Stammgäste zu kaufen, stelle ich klar: Ich rate Ihnen, gut auf Ihre Stammgäste aufzupassen, damit man sie Ihnen nicht wegnimmt.