Sonntag, August 20, 2006

Bier braucht Heimat.

Die Versuche der Inhaber von Markenrechten, ihre Marke über ihre Bedeutung auf engen Märkten hinaus, zu schützen, sind kaum mehr zu zählen. Besonders nervig ist es, wenn gar versucht wird, Farben (wie gelb oder magenta) oder einzelne Buchstaben wie "T" zu usurpieren.

Zwischen der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu Werner Brombach GmbH, die ohne die Stadt Erding zu fragen, einst sich deren Namen zugelegt hatte, und der Süddeutschen Zeitung, die einer Lokalausgabe den Namen "Erdinger SZ" geben wollte, ist es nach sechs Jahre Streit vor dem Landgericht München zum Show-Down gekommen. Doch das Landgericht München hat, wie selbst für einen juristischen Laien wie mich abzusehen gewesen ist, die Klage der Brauerei gegen die Süddeutsche Zeitung nicht nur abgewiesen, sondern die Bierjuristen in der Urteilsbegründung auch noch kräftig abgewatscht: "Erdinger: Brauerei verliert gegen "Süddeutsche", in: DWDL.de vom 18. August 2006. Um ihrer Klage nicht gleich der Lächerlichkeit preiszugeben, hatte die Brauerei schlitzohrig argumentiert, man gebe die "Erdinger Fanpost" heraus. Das mag zwar auch eine "Zeitung" sein (wenn man den Begriff arg strapazieren will), doch die spielt in einer anderen Liga. Genausogut könnte man die amerikanische Brauerei Anheuser-Busch (152 Millionen Hektoliter per anno, 2002) mit dem Bamberger Brauhaus Robesbierre (15 Hektoliter per anno) vergleichen.

Was die bei Erdinger für diesen Prozeß Verantwortlichen getrieben hat, sich ausgerechnet mit der führenden Lokalzeitung in ihrem Stammgebiet anzulegen, verstehe wer will. Vielleicht will man den vertrauten Slogan "In Bayern daheim. In der Welt zu Hause" ergänzen um "Mit der Süddeutschen verschissen". Bleibt zu hoffen, daß sich "Erdinger" (die Brauerei) es nicht auch noch antut, in die nächste Instanz zu gehen. Gelegenheit, sich weiter zu blamieren, gibt es, denn das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Siehe dazu auch: "Ein Bier ist keine Zeitung", in: Berliner Zeitung vom 18. August 2006.