Samstag, August 26, 2006

Italien ist Land des Jahres der BioFach 2007.

Logo Biofach 2007Italien, das ist Genuss pur für alle Sinne: Urlaub, Sonne, beeindruckende Landschaften, vor allem aber vollendete Gastlichkeit und exzellente mediterrane Küche - immer öfter in Bio-Qualität. Die BioFach 2007 präsentiert Italien als Land des Jahres. 2.100 Aussteller aus zuletzt 73 Nationen und über 37.000 Besucher aus über 100 Ländern der Erde erwartet die Weltleitmesse für Bio-Produkte vom 15. bis 18. Februar 2007 im Messezentrum Nürnberg.

Aussteller-stärkste Nation nach Deutschland ist seit Jahren Italien. Zuletzt präsentierten 273 italienische Bio-Produzenten und Händler Tausende ihrer begehrten Delikatessen dem kauffreudigen Fachpublikum.

Der biologische Landbau hat in Italien lange Tradition. In den siebziger Jahren stellten die ersten Bauern und Kooperativen um und belieferten die neu eröffneten Naturkostläden in Deutschland mit heiß begehrten Orangen, Zitronen, Reis und Bio-Pasta. Zu den Hartweizen-Nudeln gehört natürlich die beliebte Tomatensauce. So entwickelte sich eine Vielzahl von verarbeiteten Tomatenprodukten. Nicht zu vergessen: Olivenöl, am besten extra vergine, das sich bereits früh auf dem europäischen Bio-Markt großer Beliebtheit erfreute. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das italienische Bio-Angebot rasant weiter. Ständig wächst die Auswahl an mediterranen Feinkostspezialitäten wie Antipasti, Weinen, edlen Käse- und Wurstsorten oder süßen Deliktessen wie Maronen- oder Feigenmarmelade. Diese finden ihren Weg in immer mehr Fachgeschäfte und Supermärkte in ganz Europa. Bio-Bauern bewirtschaften in Italien rund eine Mio. ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. 47.000 Unternehmen - nach Angaben des 2005 neu gegründeten Bio-Dachverbands Federbio (www.federbio.it) immerhin 20 % mehr als noch 2004 ? produzieren, verarbeiten oder handeln biologische Lebensmittel.

Marktwachstum vor allem in Norditalien

Umsatzzuwächse im Handel mit Bio-Produkten verzeichnen momentan eher der wohlhabendere Norden des Landes. Der Süden sowie die Inseln Sizilien und Sardinien haben zwar die höchsten Anteile im Bio-Anbau, noch zeigen aber die Konsumenten nur mäßiges Interesse an Bio-Produkten.

Nach Schätzungen des italienischen Bio-Marktexperten Roberto Pinton (Umwelt- und Bioportal www.greenplanet.net) betrug der Umsatz auf dem heimischen Markt im Jahr 2005 rund 1,7 Mrd. EUR zuzüglich eines Exportwertes von 700 Mio. EUR. Mit diesen 2,4 Mrd. EUR verfügt Italien über einen der bedeutendsten europäischen Bio-Märkte. Im Vergleich dazu: In Deutschland, dem größten Bio-Markt Europas, lag der Umsatz 2005 bei rund 3,9 Mrd. EUR. Italienische Supermarktketten verzeichnen bei Bio-Produkten moderate Wachstumsraten. Der Fachhandel, darunter etliche Bio-Supermärkte, kann sich sogar über ein zweistelliges Wachstum freuen. Nach Ansicht Pintons halten dabei Naturkostgeschäfte mit 45 % die größten Marktanteile, gefolgt vom konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (40 %), Großverbrauchern wie Kantinen oder Mensen (10 %) sowie Direktvermarktern (5 %).

In Italien gibt es etwa 1.000 Naturkostläden sowie 50 Bio-Supermärkte. Allein 44 davon gehören zu der Franchisekette NaturaSì, die auch in Spanien vier Bio-Supermärkte unterhält. Außerdem zählen zu dem Unternehmen zwei Bio-Restaurants, zwei Metzgereien mit der Bezeichnung CarneSi sowie ein Wellness Center. Die Umsätze von NaturaSi legten 2005 um 15 % zu. Die Firma Brio, deren Aktienmehrheit in den Händen der Bio-Bauern liegt, ist die größte italienische Handelsgesellschaft auf Erzeugerebene. Sie erzielte 2005 einen Umsatz von 29 Mio. EUR und will 2006 um weitere 6 Mio. EUR zulegen. Ein gutes Bio-Angebot führen auch die Lebensmittelketten Esselunga, Carrefour, Billa/Rewe, Conad, Crai, Despar/Spar, Selex, Todis und Pam.

Große Bio-Kampagne sorgt für Aufmerksamkeit

Biobenessere, was so viel wie Bio-Wellness heißt, ist der Name eines 5 Mio. EUR-Projekts (kofinanziert durch die EU), das seit 2005 für erhebliche Publizität in Italien sorgt (www.biobnessere.it). Allein 11.000 Werbetage mit Verkostungen und Preisaktionen fanden in Supermärkten oder Naturkostfachgeschäften statt, wobei mehr als 2,1 Mio. Menschen erreicht wurden. Ausrichter ist die regionale Bio-Bauernvereinigung Prober aus der Emilia Romagna, mit etwa 4.000 Mitgliedern die größte ihrer Art in Italien (www.prober.it). Mehr als 150 ganzseitige Anzeigen, 100 TV- und Radio-Spots sowie Stände auf Messen und Konferenzen sorgten für rund 500.000 Kontakte, die den Bio-Firmen europaweit neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Zudem sorgt eine Reihe von Fachmagazinen und Internet-Portalen in Italien für ein hohes Informationsniveau.

Direktvermarktung überzeugt durch kurze Wege

In Deutschland besitzt die Direktvermarktung von Bio-Bauern ab Hof oder über Wochenmärkte eine lange Tradition. Viele Direktvermarkter begannen schon in den siebziger und achtziger Jahren, als es noch keine ausgebauten Vermarktungswege für Bio-Produkte gab, mit dem direkten Verkauf an den Kunden. In Italien beginnt dieser Bereich jetzt zu wachsen. Auch Bio-Konsumenten schließen sich in kleinen Gruppen zusammen, um gemeinsam bei Landwirten der Umgebung einzukaufen. Unter der Bezeichnung Gas (Gruppi d'acquisto solidali) organisieren die neuen Coops ihren gemeinschaftlichen Einkauf und die Verteilung unter den angeschlossenen Mitgliedern. www.retegas.org vermittelt Adressen von Bauern und Verbrauchergruppen, die an dieser Direktvermarktung beteiligt sind. Inzwischen gibt es auch die ersten Lieferdienste, die einmal wöchentlich einer wachsenden Anzahl von Verbrauchern eine meist standardisierte Kiste mit Obst und Gemüse bringen.

Immer mehr Schulküchen setzen auf Bio

2005 kochten 650 italienische Schulküchen täglich rund eine Mio. Bio-Gerichte. Bereits im Jahr 2000 verabschiedete die italienische Regierung ein Gesetz, das öffentlichen Schulen und Krankenhäusern den Einsatz von Bio-Zutaten in ihren Großküchen vorschreibt. Allerdings waren anfangs wenige Lokalregierungen zu Zuschüssen bereit und Verstöße wurden nicht geahndet. Deshalb dauerte es, bis die Vorschriften umgesetzt wurden. Die Regionen Friaul, Venetien, Toskana und Marken begannen schon zwischen 2000 und 2002 mit der Bio-Schulverpflegung. Die Regierung der Region Emilia Romagna schrieb 2002 fest: Kindergarten- und Schulkinder sollen zu 100 % mit Bio-Essen versorgt werden. Auch Bio-Angebote in Restaurants nehmen zu. Bio-Bank, Herausgeber des jährlichen Branchenverzeichnisses Tutto Bio, hat die Adressen von 250 Restaurants gelistet, die mindestens 70 % der Zutaten in Bio-Qualität verwenden (www.biobank.it). Dazu kommen etwa 700 Angebote für Bio-Verpflegung im Rahmen des beliebten Agro-Tourismus.

Italienische Bio-Branche im Aufwind

Die Bio-Branche in Italien sieht sich mit der neuen Regierung unter Romano Prodi im Aufwind. Das Bekenntnis zum Öko-Anbau war Teil des Wahlprogramms der Mitte-Links-Grünen Parteien. Neuer Landwirtschaftsminister ist Paolo De Castro, der hohe Wertschätzung genießt. ?Für ihn ist die ökologische Landwirtschaft wichtig und Teil einer Offensive für italienische Qualitätsprodukte,? so Bio-Markt Experte Pinton. Schon im ersten Monat seiner Amtszeit traf sich De Castro mit dem Vorsitzenden des Bio-Dachverbands Federbio zum Meinungsaustausch und berief einen Bio-Vertreter in die Kommission ?Tavolo agro-alimentare?, in der die Regierung mit Verbänden der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft fachpolitische Fragen diskutiert. Daher sieht die Bio-Branche Italiens mit viel Optimismus in die Zukunft und erwartet sich einiges von der Umsetzung des Nationalen Bio-Aktionsplans, den bereits die Vorgängerregierung im Dezember 2005 verabschiedet, aber noch nicht umgesetzt hatte.

Italien steht auf der Gewinnerseite: bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 und als Land des Jahres der BioFach 2007. Fußball-Erfolge durch Bio? Auf Empfehlung seiner Mediziner verpflegt der Fußballclub Palermo, in dem vier der neuen Weltmeister spielen, seine Fußballer mit Bio-Produkten.

Neu zur BioFach 2007: Vivaness

Die Weltleitmesse für Bio-Produkte bekommt ab 2007 eine schöne Tochter. Sie heißt Vivaness, Fachmesse für Naturkosmetik und Wellness, und geht mit über 200 Anbietern hochwertiger Naturkosmetik- und Körperpflegeprodukte erstmals als eigenständige Fachmesse mit deutlich erweitertem Angebot an den Start. BioFach und Vivaness finden künftig immer zeitgleich im Messezentrum Nürnberg statt. (Quelle: Pressemitteilung der Nürnberg Messe).