Sonntag, August 20, 2006

Surfen und/oder essen.

In meinem Beitrag vom 23. Juni 2005 über die Frage "WLAN kostenlos oder -pflichtig anbieten?" habe ich auch auf Klagen amerikanischer Kollegen hingewiesen, die zunehmend mit Gästen konfrontiert sind, die stundenlang und schweigsam vor ihren Notebooks sitzen und nichts oder wenig konsumieren.

Sophie Lübbert ist diesem Problem in Hamburg nachgegangen: "Surfen statt essen", in: Welt am Sonntag vom 20. August 2006. Einige Kollegen hätten den Internetzugang bereits wieder abgeschafft.

Mich erinnert das an ein Erlebnis vor rund 20 Jahren. Wir hatten 1983 in Bamberg unser "Café Abseits" eröffnet, die erste Gaststätte in Bamberg, die in der Tradtion Wiener Kaffeehäuser mehr als die übliche regionale Tageszeitung ihren Gästen zum Lesen anbot. Damals war dies ein Service, den die Bamberger nur aus von Friseuren und aus den Wartezimmern von Arztpraxen kannten, dort aber nur in Form von alten Zeitschriften. Als ich den uns gegenüber gelegenen "Griechen" besuchte, ist mir aufgefallen, daß dort keinerlei Zeitungen auslagen. Ich fragte den Nachbarn und Kollegen, warum es bei ihm keine Zeitungen gäbe. Er antwortete schlicht, die Leute sollten bei ihm essen und nicht lesen.

Das hat mir damals doch zu denken gegeben und zu der Erkenntnis beigetragen, daß es auf das jeweilige gastronomische Konzept ankommt und auf die konkreten Gegebenheiten wie Raumangebot, Auslastungsgrad, ob man den Betrieb nur zu Zeiten mit hoher Auslastung (mittags und abends) öffnen will oder ein Ganztagesangebot anstrebt. Was spricht etwa dagegen, einen Internetzugang ausschließlich außerhalb der Stoßzeiten anzubieten, wenn man diese Einschränkung deutlich kommunuziert oder die Zahl der Internetzugangsmöglichkeiten tageszeitvariabel bzw. abhängig von der Sitzplatzauslastung schwanken zu lassen?

Der "Grieche" uns gegenüber hat mittlerweile aufgegeben, ist in seine Heimat zurückgekehrt und einem "Thailänder" gewichen. Keine Zeitungen und Zeitschriften auszulegen, hat auch nicht geholfen.