Mittwoch, November 15, 2006

Bundesrechnungshof diffamiert die Gastronomie.

In seinem jüngsten Rechnungshofbericht diffamiert der Bundesrechnungshofes die Gastronomie, obwohl er es besser wissen müßte:
"Steuerausfälle durch Fastfood: In der Fastfood-Gastronomie kommt es nach Ansicht des Rechnungshofes jährlich zu Umsatzsteuerausfällen in zweistelliger Millionenhöhe. Grund ist 'die missbrauchsanfällige unterschiedliche Besteuerung von In-Haus- und Außer-Haus-Umsätzen'. Wenn ein Kunde Speisen zum sofortigen Verzehr im Restaurant kauft, muss das Fast-Food-Unternehmen 16 Prozent Umsatzsteuer abführen. Kauft der Kunde die gleichen Speisen und nimmt sie mit, werden nur sieben Prozent Umsatzsteuer fällig - dabei ist der Preis für den Kunden üblicherweise gleich. Die Steuer-Differenz könnten Fast-Food-Unternehmen missbräuchlich ausnutzen, indem sie den Verkauf der Ware steuerlich falsch als Außer-Haus-Verkauf erfassen und so ihren Nettoverdienst um rund neun Prozent steigern, fürchten die Prüfer. Das Problem sei nur durch eine einheitliche Besteuerung aller Restaurationsumsätze mit zurzeit noch 16 Prozent lösbar."
(Quelle: "Dokumentation: Wo viel verschwendet wird", in: Die Welt vom 15. November 2006).

Mein Kommentar zu diesem Unsinn:
  • Zum einen weiß ich aus meiner Erfahrung als Gastronom und Moderator einer rege genutzten Mailingliste, daß viel zu wenige Gastronomen wissen, daß der Außer-Haus-Verkauf von Speisen nur mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz besteuert wird. Viele zahlen, auch aufgrund schlechter, passiver Beratung ihrer Steuerberater, die sich darauf beschränken, die Buchhaltung halbwegs zu meisten, viel mehr Umsatzsteuer als sie eigentlich zahlen müßten.
  • Viel zu wenige Gastronomen nutzen die objektiv vorhandenen Abgrenzungsschwierigkeiten und die sich daraus ergebenden Gestaltungsmöglichkeiten. Ein Außer-Haus-Anteil in Höhe von 30% ist objektiv nicht ungewöhnlich hoch. Zudem wächst der Außer-Haus-Anteil branchenweit stetig, weil sich die Verzehrgewohnheiten ändern.
  • Das Problem ist in der Tat leicht zu lösen, aber anders als die Staatsdiener im Bundesrechnungshof, die wir mit unseren Steuern mästen, meinen, indem für alle Restaurationsumsätze endlich der ermäßigte Mehrwertsteuersatz, wie es in vielen Ländern der EU üblich, eingeführt wird.