Sonntag, Januar 21, 2007

Besteuerung von Second Life-Aktivitaeten in Deutschland.

Gerüchteweise wird im Referat "Grundsatz- und Strukturfragen der Steuerpolitik" des Bundesfinanzministeriums überlegt, Vermögenswerte und Einkommen, die in Deutschland von steuerpflichtigen Teilnehmern der virtuellen Welt Second Life besessen werden bzw. ihnen zufließen, zu besteuern. Dies gebiete schon die Steuergerechtigkeit.

Durch die Möglichkeit, virtuelle Linden-Dollars in wirkliche Euro zu tauschen (der Kurs steht zur Zeit bei etwa 0,26 Euro für 100 L$), seien diese virtuellen Bestände und Ströme im Grunde wirklichen Vermögen und Einkommen im Ausland gleichzusetzen und unterlägen systematisch der Besteuerung in Deutschland. Gedacht werden könne z.B. an Grundsteuer, Körperschafts- und Einkommensteuer und Kapitalertragsteuer. Mehrwertsteuer hingegen falle nicht an, da der Vertrieb von virtuellen Produkten von Teilnehmern mit Sitz in Deutschland als nicht mehrwertsteuerpflichtiger Export anzusehen sei, es sei denn, der Käufer sei selbst in Deutschland steuerpflichtig.

Konsequenterweise wäre auch von der für das internationale Steuerrecht zuständigen Unterabteilung IV B des Bundesfinanzministeriums die Möglichkeit eines Doppelbesteuerungsabkommens mit "Second Life" zu prüfen. Solche Doppelbesteuerungsabkommen wurden bislang nur mit wirklichen Staaten abgeschlossen.

Über die Höhe des zu erwartenden zusätzlichen Steueraufkommens gibt es noch keine verläßliche Schätzungen. Um die Größenordnung der wirtschaftlichen Aktivitäten in Second Life zu verdeutlichen: Das Blog Slinside hat am 20. Januar 2007 berichtet, am 19. Januar 2007 habe es in Second Life einen Rekordumsatz von 1,6 Millionen US-Dollar (am Tag!) gegeben. Und es sind bereits eine Vielzahl von Unternehmen in Second Life vertreten, darunter etwa auch Adidas und der Springer-Verlag.

Es ist aber zweifelhaft, ob das unter der Bezeichnung "Quirinalia" diskutierte Projekt einer Besteuerung durch deutsche Finanzbehörden noch bis Ende des ersten Quartals 2007 umsetzbar ist.

Über die wachsende, auch reale wirtschaftliche Bedeutung von "Second Life" hat die angesehene Neue Zürcher Zeitung in ihrem Artikel "Schlagzeilen für die Scheinwelt" vom 19. Januar 2007 berichtet.

In Deutschland hat insbesondere Robert Basic sich in einer Vielzahl von Beiträgen mit "Second Life" beschäftigt.

Betroffen von einer Besteuerung in Deutschland wäre auch der Kollege, der einen deutschen Biergarten in der Second Life-Kommune Neifreistadt eröffnet hat.