Dienstag, Januar 30, 2007

Namenswahl bei einem Relaunch - das Beispiel "Kuechenwerkstatt".

Am letzten Samstag haben wir Teilnehmer des Blog-trifft-Gastro 2007 das Hamburger Restaurant "Küchenwerkstatt" besucht. Der Winzerblogger Thomas Lippert hat darüber bereits berichtet: "BtG 2007 - das Finale in der Küchenwerkstatt". Da wohl weitere Teilnemer noch auf die getrunkenen Weine, die Speisen und den überaus netten Service eingehen werden, möchte ich mich der "Küchenwerkstatt" thematisch auf eine Weise nähern, die möglicherweise für Gastronomen interessanter sind als für Gourmets und Gourmands.

Als Guido Marquardt, der Hamburger Organisator des Treffens, das Restaurant "Küchenwerkstatt" vorgeschlagen hat, konnte ich mit diesem Namen wenig anfangen. Wenn man nach "Küchenwerkstatt" ohne den Zusatz Hamburg googelt, stößt man auf Schreinereien und andere Anbieter von Einrichtungsgegenständen für Küchen. Diese Namenswahl für ein Restaurant ist insoweit auf den ersten Blick irreführend.

Angela Gnade, die den Service in der "Küchenwerkstatt" leitet und das Restaurant mit ihrem Partner und Küchenchef Gerald Zogbaum in der Rechtsform einer GmbH betreibt, hat uns im Rahmen eines Rundgangs durch die Gast- und Küchenräume, erzählt, wie es zu diesem Namen gekommen ist.

Der Betrieb wurde vor der Übernahme Ende 2004 als "Mühlenkamper Fährhaus" geführt. Als Bamberger sagte mir das zwar nichts. Aber in Hamburg ist das 1916 errichtete Gebäude unter diesem Namen überaus bekannt. Z.B. war Rudolf Augstein Stammgast in diesem am Fähranleger vom Langen Zug, einem Ableger der Außenalster, gelegenen Kleinod.

Angela Gnade und Gerald Zogbaum, die unter anderem im Tafelhaus" des mittlerweile fernsehbekannten Christian Rach gearbeitet haben, wollten sich mit der Namenswahl von dem ranzig gewordenen Konzept des "Mühlenkamper Fährhaus" und einer Reihe von Vorgängern, die in diesem Objekt gescheitert sind, und einem einjährigen Leerstand (siehe dazu: "Mühlenkamper Fährhaus: Räumungsklage", in: Die Welt vom 2. September 2003), abgrenzen, deutlich machen, daß ein völlig neues, innovatives Restaurant entstanden ist, in dem sich nicht nur Senioren wohlfühlen.

Ein neues Ambiente war ohnehin fällig, da das Objekt weitestgehend leer geräumt übernommen wurde. Jetzt treffen echte Delfter Kacheln auf Eternitverkleidungen, Eichenschnitzereien- und Vertäfelungen auf hohe, helle Räume.

Restaurantküche Küchenwerkstatt
Foto mit freundlicher Genehmigung von Theo Huesmann


Nachdem ich das Konzept an einem langen, unterhaltsamen Abend kennengelernt habe, erscheint mir der ungewöhnliche Name durchaus gelungen:
  • Er besagt, daß in der Restaurant handwerklich gearbeitet wird, mit frischen Zutaten möglichst regionaler Herkunft und mit viel Liebe.
  • Die Preise sind wie von einem redlichen Handwerksmeister kalkuliert. Uns erschienen sie im Verhältnis zur Qualität eher günstig. Das siebengängige Abendmenü hat nur 65 Euro gekostet. Man kann daraus aber auch auch drei Gänge (für 37 Euro), vier, fünf oder sechs frei wählen. Jedesmal wird danach eine Patisserie gereicht.
  • Auch Gäste können sich mit ihren Händen betätigen, werkeln. Es werden eintägige Kochkurse angeboten, etwa "Unsere kleine Saucenfibel" mit Tipps zur Vorratshaltung, in denen man lernt, wie Grundfonds, kalte Saucen, Marinaden und Vinaigrettes, aber auch leichte Saucen aus frisch entsaftetem Gemüse, aber auch Satésaucen hergestellt werden.
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