Sonntag, Januar 21, 2007

Schadenersatz bei Nichteinhaltung einer Tischreservierung.

Wenn Gäste Tische reservieren und dann einfach nicht erscheinen oder eine Gruppe kommt mit weniger Teilnehmern als angekündigt, ist dies für uns Gastronomen ärgerlich. Kann man einen eventuellen Schaden in Rechnung stellen?

Rechtlich gesehen können Sie den Schadenersatz (also den Nettoumsatzerlös abzüglich die ersparten Aufwendungen, etwa ein Essen, das Sie an einen anderen Gast verkaufen) nur durchsetzen, wenn Sie mit der Reservierung einen bestimmten Umsatzerlös bereits fest vereinbart haben, z.B. ein bestimmtes Hochzeitsmenü für 30 Gäste angeboten haben und dieses Angebot angenommen worden ist. In solchen Faellen, wo Sie als Gastronom in nicht unerhebliche Vorleistungen eintreten (für zusätzliches Personal, spezielle Tischdekoration, erweiterte Öffnungszeiten, zusätzliche Waren) empfiehlt sich aber ohnehin eine schriftliche Vereinbarung (Bewirtungsvertrag). Um eine Diskussion über die Höhe des Schadenersatzes abzuwürgen, kann man seine Höhe auch vorab vereinbaren.

Ohne die Festlegung der zu konsumierenden Speisen und Getränke (wenigstens ihrer Art nach wie z.B. 20 Hauptgerichte) hätte der Gast auch im Falle einer Reservierung das Recht, z.B. nur ein Glas Wasser zu trinken oder einfach zu sagen, daß ihm das Angebot nicht zusagt und wieder zu verschwinden. Es kommt deshalb darauf an, ob mit der Reservierung bereits verbindlch die Abnahme eines Produktes vereinbart worden ist oder nicht.

Andererseits sind Sie bei solch "inhaltsleeren" Reservierungen auch als Gastronom nicht verpflichtet, die "reservierten" Plätze freizuhalten.

Theo Huesmann hat in seinem Posting "Tischreservierungen, Nichterscheinen & Folgen", in: Notizen für Genießer, ein älteres Urteil (1998) zu dieser Frage zitiert und verweist auf einen Bericht der Welt, wonach Restaurants in London Stornogebühren verlangen.

Das zitierte Urteil stellt hohe Anforderungen an den Gastwirt, der einen Schadensersatzanspruch durchsetzen will. Prof. Dr. Klaus Sakowski weist darauf hin, daß der Gastronom nachweisen muß:
  • seine vergeblichen Aufwendungen.
  • daß er andere Gäste abgewiesen hat.
Was kann man als Gastronom tun, um sich nicht erscheinender Gäste zu erwehren?
  • Man überbucht, nimmt mehr Reservierungen an als man Plätze hat, und vertraut darauf, daß ein Teil nicht erscheinen wird. Diese Überbuchungsstrategie wird gerne von Fluggesellschaften benutzt, macht aber böses Blut, wenn wider Erwarten doch alle kommen.
  • Man reserviert nur einen Teil der verfügbaren Plätze und hofft darauf, daß bei Nichterscheinen der Reservierungen die reservierten Plätze von Gästen besetzt werden, deren Reservierungen man nicht mehr angenommen hat.
  • Man bietet Gästen statt einer Reservierungszusage einen Platz auf einer Warteliste an.
  • Man nimmt überhaupt keine Reservierungen an. Dies ist bei angesagten Betrieben eine optimale Lösung aus der Sicht des Gastronomen. Die Gäste "prügeln" sich um die Plätze. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Sie wälzen damit als Gastronom, das Risiko keinen Platz zu bekommen, auf den Gast ab. Sowas funktioniert aber schlecht bei Zielgruppen, die anreisen, und bei älteren Zielgruppen, die es hassen, keinen Platz zu bekommen oder mit einem Stehplatz abgespeist zu werden. In der Szenegastronomie ist diese Strategie eigentlich die Regel.
  • In einer Variante verweigert man Reservierungen nur in der Hauptzeit, z.B. sonntags von 10 bis 14 Uhr. Wer reservieren will, muß bis 10 Uhr kommen, also z.B. um 9.30 Uhr reservieren. Welches Ihre Stoßzeiten sind, wissen Sie selbst am besten.
  • Man richtet Warteplätze ein. Dies isst in vielen amerikanischen Restaurants üblich. Ein Barbereich mit Stehsitz- und/oder Stehplätzen nimmt die Gäste auf, bis ein Platz, an dem essen kann, frei wird. Dort gibt es Kleinigkeiten und vor allem Drinks. Wenn das Restaurant nicht überschaubar ist, braucht man einen oder mehrere spezielle Mitarbeiter, die koordinieren. Man nutzt die Bar entweder, um die Gäste mir einem Freidrink zu trösten, oder man will damit einen zusätzlichen Getränkeumsatz (Aperitif, Cocktail) erzielen.
  • Man verkauft Gutscheine für bestimmte Produkte, die nur zur reservierten Zeit gültig sind. Wenn der Gast zu dem vereinbarten Zeitpunkt nicht erscheint, verfällt der Gutschein.
  • Man läßt sich bei einer Reservierung eine Bankverbindung oder die Kreditkartendaten des Gastes geben, vereinbart eine Reservierungsgebühr und zieht diese bei Nichterscheinen ein.
  • Man wälzt das Problem, Stornierungsgebühren einzuziehen, auf einen Buchungsservice ab.
Siehe dazu auch "Rechtlicher Charakter der Tischreservierung, Urteil des Landgerichts Kiel vom 22.1.1998 - 8 S 160/97.