Donnerstag, Februar 01, 2007

Internetpraesenz von Restaurants am Beispiel der Hamburger Kuechenwerkstatt.

Bei der Recherche für ein Buch mit dem Titel "Wie gestalten wir unsere Website?", an dem ich das Vergnügen habe mitzuarbeiten und das im Mai 2007 erscheinen soll, habe ich mich auch damit beschäftigt, daß gastronomische Betriebe nicht nur mit einer eigenen Website im World Wide Web vertreten sein sollten. Wichtig, um nicht zu sagen noch wichtiger, ist es, auf anderen Websites präsent zu sein, inbesondere dort, wo sich viele Menschen bewegen, also in Suchmaschinen, Mailinglisten, Online-Communities, Meinungsportalen und Websites des sozialen Internets (Web 2.0).

Schauen wir uns exemplarisch einmal an, wie das Hamburger Restaurant "Küchenwerkstatt", in dem wir uns beim diesjährigen Blog-trifft-Gastro 2007 am letzten Samstag so wohl gefühlt haben, sich unter diesem Blickwinkel darstellt bzw. dargestellt wird. Mit den Tipps, die ich dazu gebe, wende ich mich natürlich nicht in erster Linie an dieses empfehlenswerte Hamburger Restaurant, sondern an alle Kollegen.

In der Foto-Online-Community Flickr ist die "Küchenwerkstatt" bereits/schon/bislang nur mit neun Fotos des ambitionierten Hamburger Hobbyfotografen Ottmar Alt vertreten und zwar mit Fotos von angerichteten Speisen und der Tischdekoration. Er ist am 9. September 2006 in der "Küchenwerkstatt" gewesen. Siehe dazu eine ausführliche Restaurantkritik von "Foodfreak": "Dinner for Two in der Küchenwerkstatt". Solche Fotos werden gerne auch von Gästen kommentiert, so wird das Foto "Karamellisierter Schokoladenblätterteig mit geschmorten Birnen, Korianderparfait und Birnensüppchen" mit den Worten "und es war absolut lecker" kommentiert. Was kann man als Gastronom tun, um seine Präsenz in Flickr zu vermehren und zu verbessern?
  • Man kann selbst Fotos machen und auf Flickr hochladen, Mitarbeiter und Gäste dazu animieren oder einen guten Fotografen dafür engagieren (aber vereinbaren, daß man alle Rechte daran erhält). Häufig besitzt man ohnehin zahlreiche Fotos, die für andere Zwecke geschossen worden sind.
  • Man sollte die eigenen und Fotos anderer korrekt und so bezeichnen, daß sie gut gefunden werden können, sie kommentieren und taggen, insbesondere mit dem Standort und dem Namen des Betriebs, evtl. auch mit dem Namen des Kochs.
Nun kann man Restaurants nicht nur bebildern, sondern auch per Video Eindrücke vermitteln. In der Online-Video-Community Youtube habe ich kein Video gefunden, das mit der "Küchenwerkstatt" getaggt ist. Man muß als Gastronom solche Videos nicht unbedingt selbst erstellen oder von Profis erstellen lassen. Wenigstens zur Zeit noch werden Amateuraufnahmen akzeptiert. Es genügt vielleicht schon, sich umzuhören, wer unter den Mitarbeitern und Gästen mit einer Videokamera herumspielt oder Gäste, die ohnehin ihren Gaststättenbesuch aufzeichne, zu bitten, das Video online zu stellen. Siehe dazu auch meinen früheren Artikel "Marketingpotentiale von Google Video".

Meines Erachtens ist für Restaurants mit gehobenen Zielgruppen und Firmenkunden eine Präsenz in Online-Communties, inbesondere Xing, mittlerweile unerläßlich. Weder der Küchenchef noch seine Partnerin Angela Gnade, die den Service leitet, sind bislang in Xing vertreten. Siehe dazu auch meinen früheren Beitrag "Immer mehr Gastronomen nutzen OpenBC". Wenn ich jetzt Sie einladen soll, schicken Sie mir einfach eine E-Mail an webmaster@abseits.de.

Insbesondere für jüngere Zielgruppen sowie Musiker und englischsprachige, ausländische Touristen ist die Online-Community MySpace ein guter Ort, sich in die Menge zu wagen. Die beiden Betreiber sind dort nicht vertreten, noch wird das Restaurant dort von anderen thematisiert. Wie man es besser machen kann, sagen ich Ihnen in meinem früheren Beitrag: "Hotel 2.0". Wobei nicht jeder Betrieb an diesem Klientel besonders interessiert sein wird.

Bei den zahlreichen Meinungsportalen habe ich mich darauf beschränkt, bei dem Branchen übergreifenden Portal Qype und bei Restaurant-Kritik.de nachzuschauen, ob es bereits Bewertungen der "Küchenwerkstatt" gibt. Auf Qype gibt es drei Kommentare, darunter einen kurzen, wohlwollenden Kommentar, der mit den Tags "draußen" "Kamin" "lecker" und "nouvelle Restaurant" versehen ist. Solche Bewertungen und Tags erlauben Gastronomen einen Blick auf ihren Betrieb aus der Sicht der Gäste. Leider gibt es zumindest in Deutschland meist gar keine oder nur wenige Bewertungen. Man sollte diese Websites aber dennoch kontrollieren und sei es nur, um sich gegen falsche, negative Bewertugnen zu Wehr zu setzen.

Bei Restaurant-Kritik.de gibt es zwei etwas ausführlichere, positive Bewertungen. Bei einer dieser Bewertungen sieht man deutlich, daß Gastronomen mitunter darunter leiden, daß Benutzer solcher Websites Formulare falsch ausfüllen. So hat der Bewertende mit dem Nickname sudeckklick die Sauberkeit von Restaurant und Toilette als "gut" bewertet, aber bei der numerischen Bewertung eine "1" gewählt. Bei Schulnoten wäre dies gut. bei Restaurant-Kritik.de ist dies aber nur ein von fünf möglichen Punkten, was auf die Gesamtbewertung von 3,5 Punkten durchschlägt. Man hat bei Restaurant-Kritik aber die Möglichkeit, solche Fehler richtig zu stellen.

Bei den Mailinglisten habe ich mich auf die Google Groups konzentriert und bin nicht fündig geworden. Für Gastronomen empfiehlt es sich, den kostenlosen Benachtigungsdienst Google Alert zu nutzen, um informiert zu werden, wenn Nachrichten eingestellt werden, die den eigenen Betrieb oder die eigene Person betreffen.

Eine weitere Möglichkeit, Restaurants und/oder deren Inhaber bzw. Mitarbeiter bekannt zu machen, sind Bücher, insbesondere Kochbücher. Siehe dazu: "Kochbücher berühmter Restaurants". Es geht bei Kochbüchern nicht nur um das eigene Ego und das bessere Image bei den Gästen. Ein Vorteil ist auch die Präsenz in den besucherstarken Online-Buchhandlungen und nach Absprache mit den lokalen Buchhändlern in den häufig aufgesuchten Buchhandlungen vor Ort. Bei den Online-Buchhandlungen sollte man auch die Möglichkeiten nutzen, als Autor ergänzende Inhalte zu veröffentlichen und mit den Kunden dieser Shops ins Gespräch zu kommen.

Von Gerald Zogbaum, dem Chefkoch und Mitinhaber der Hamburger "Küchenwerkstatt" gibt es noch kein Kochbuch (für diesen Tip an die mitlesenden Verlagsprogrammleiter erbitte ich mir wenigstens ein Rezensionsexemplar!). Ob Armin Zogbaum mit ihm verwandt ist, weiß ich nicht. Dieser gelernte Koch arbeitet als Lebensmittelfotograf und Kochbuchautor in der Schweiz. Wie wäre es, wenn er die Fotos für dieses Kochbuch schießen und zusammen mit dem Koch die Texte schreiben würde?

Diese Liste von Orten im Netz, in denen man erwähnt werden kann und sollte, ließe sich lange fortsetzen... Ich freue mich über Tipps in den Kommentaren, wenn es geht, mit Beispielen aus der Gastronomie.