Montag, Februar 26, 2007

Ziggis.

Mittlerweile gibt es sie vermutlich in fast allen Gaststätten: die Ziggi ist eine Gastrokarte zum Jugendschutz am Zigarettenautomaten.

In der Illusion, verhindern zu können, daß Jugendliche unter 16 Jahren an Zigaretten herankommen, hat der Gesetzgeber seit dem 1. Januar 2007 vorgeschrieben, daß die Funktion von Zigarettenautomaten, schnell und komplikationslos Zigaretten gegen Kohle auszuspucken, malträtiert wird. Jetzt muß man, bevor man Geld einwirft, eine Geldkarte hineinstecken mit einem Chip, der belegt, der Kartenbesitzer sei mindestens 16 Jahre alt. Die Effekte sind:
  • Eltern, die ihre Kinder zum Zigarettenholen schicken, geben ihnen nunmehr eine Geldkarte mit.
  • In Gaststätten verlangen Gäste und Passanten häufig nach einer Ziggi, weil sie keine Geldkarte haben oder eine Karte von einer Bank, die sich weigert, die damit verbundenen Mehrkosten zu tragen.
  • Angetrunkene, ältere und behinderte Gäste sind nicht selten mit der Bedienung der Zigarettenautomaten überfordert und bestellen ihre Zigaretten beim Service.
  • Ab und zu wird die Ziggi nicht zurückgegeben. Der Gastronom muß sich eine neue beschaffen vom Zigarettenautomatenaufsteller beschaffen. Ein Ende wird das erst haben, wenn die Welt voll ist von entwendeten Ziggis.
Positiv gewendet kann man sagen,
  • die Ziggi fördert die zwischenmenschliche Kommunikation.
  • Sie treibt die Menschen von den Zigarettenautomaten in den Straßen zu den Automaten in der Gastronomie.
  • Und die Geldkarte, die 2002 großkotzig eingeführte "elektronische Briefbörse der deutschen Kreditwirtschaft", die bis dahin ein Flop gewesen ist, erfreut sich endlich einer gewissen Nachfrage. Siehe dazu: "Deutschlands Raucher könnten für Wiedergeburt der Geldkarte sorgen", in: Frankfurter Neue Presse vom 12. August 2002.
Die Jugendlichen jedoch kommen an Zigaretten praktisch noch genauso 'ran wie früher.