Freitag, März 23, 2007

Eckkneipen.

Eine Eckkneipe zu sein, also eine Gaststätte auf einem Grundstück, das zugleich an zwei sich kreuzenden Straßen grenzt oder an eine Nebenstraße, die in eine andere mündet, und zugleich an dieser Hauptstraße, ist sicherlich ein Standortvorteil. Die Sichtbarkeit und die Zugangsmöglichkeiten sind besser als bei Nichteckgrundstücken. Siehe dazu unseren Beitrag: "Standortkriterien im Gastgewerbe".

Was die Ministerpräsidenten der Bundesländer auf ihrer gestrigen Konferenz erwogen hat, sich eine Option offenzuhalten, in den geplanten Raucherdrangsalisierungsgesetzen der Bundesländer ausgerechnet diesen Eckkneipen das Recht zu gewähren, sich als Rauchergaststätte zu markieren, verstehe wer will: "Streit um Nichtraucher-Schutz: Seehofer fordert kompromissloses Verbot", in: N24.de vom 23. März 2007.

Oder haben die darüber berichtenden Journalisten etwas mißverstanden? Meinen die Ministerpräsidenten gar keine "Eckkneipen", sondern plappern eine umgangssprachliche Bezeichnung für mehr oder weniger kleine Gaststätten nach, in denen sich insbesondere Anwohner, Schüler, Studenten, Lehrer und Mitarbeiter der benachbarten Schulen und Hochschulen, Inhaber und Beschäftigte umliegender Unternehmen und Ämter, Besucher von Sporteinrichtungen, Kinobesucher usw. gerne treffen - ein städtisches Pendant zur Dorfgaststätte auf dem Lande?

Betreiben wir nicht alle irgendwie irgendwo eine Eckkneipe in diesem Sinne?

Und wird es einer verwaltungs- und verfassungsgerichtlichen Überprüfung standhalten, wenn ein bayrischer Gastronom in seiner "Eckkneipe" weniger Rechte hat als sein Kollege in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen? Gilt das Grundrecht der Gewerbefreiheit denn nicht national?