Samstag, März 17, 2007

Kinder essen gratis - Harzer Kurhausgastronom mit einer ungewpoehnlichen Idee erfolgreich.

Bei gleichzeitiger Bestellung eines Hauptgericht pro Erwachsenem erhält ein Kind ein Essen aus der Kinderkarte und ein alkoholfreies Getränk (0,2 l) gratis.

Mit dieser ungewöhnlichen Idee startete des "Cafe Restaurant Kurhaus Bad Sachsa" im Harz vor drei Jahren in Bad Sachsa, um verstärkt Familien mit Kindern als Gästegruppe zu gewinnen.

Mittlerweile wird das "Kids4free" Angebot besonders in der Ferienzeit gerne wahrgenommen.

So kann eine Familie bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern bis 12 Jahren für circa 20 Euro im Kurhaus Bad Sachsa preiswert und in guter Qualität Speisen.

Mit der Zeit haben wir sogar schon neues Stammpublikum dazugewonnen, sagt Martin Both der Pächter des Kurhauses. In Zeiten, wo alles teuerer wird, müsse man als Gastronom eben auch mal neue Wege gehen.
"Oft werden wir gefragt, warum wir das Essen für die Kinder verschenken, dem ist aber nicht so.

Neue Zielgruppen zu bewerben ist teuer, also haben wir das als Direktmarketing gemacht, keine kostenintensive Werbung, außer Hausgedruckten Flyern und Plakaten vor Ort und auf unserer Internetsite, der Rest war Mund zu Mund Propaganda. Mittlerweile kommen Gäste aus der ganz Deutschland und schätzen das Angebot, und als angenehmer Nebeneffekt stieg auch die Zahl der Familienfeiern.
(Quelle: Pressemitteilung des "Cafe Restaurant Kurhaus Bad Sachsa").

(via Bernd Röthlingshöfer).

Kommentar: Coupons, Gutscheine und Angebote, bei denen ein Begleitgast ein Produkt kostenlos bekommt, werden zunehmend kritischer gesehen. Ob sich eine Teilnahme für die Gastronomie an Scheckheften, mit denen der zweite Gast mehr oder weniger umsonst speist, lohnt, hängt vom Preisniveau und dem Alter des Restaurants im Objekt-Lebenszyklus ab:
  • Das Preisniveau muß so hoch sein, dass sich eine Preisuntergrenze von bis zu 50% (wenn der Begleitgast im theoretischen Extremfall nichts trinkt und keine Vorspeise bestellt) rechnet.
  • Gut besuchte Restaurants (also in der zweiten und dritten Phase des Lebenszyklus eines Restaurants) werden auf preisbewußte Gäste, die Stammgästen Plätze blockieren, gerne verzichten,
  • Interessant ist es für Restaurants nach der Eröffnung oder nach einem Relaunch (also in der ersten Lebensphase), aber auch in der vierten Phase, um ein bröckelndes Image und überhöhte Preise auszunutzen, bevor sich der Abstieg herumgesprochen hat.
  • Man kann darauf spekulieren - und unsere Erfahrungen mit Gutscheinen für Pizza bestätigen dies, dass Gutscheininhaber dazu neigen, höherwertige Speisen zu konsumieren. Sie packen gewissermaßen den Geldbetrag, den sie ohne Gutschein zu zahlen bereit wären, auf den Gutschein drauf und leisten sich ein besseres Essen bei konstanter Zahlungsbereitschaft.
Im speziellen Fall, wo das kostenlose Essen nur für ein Kind in Anspruch genommen werden darf, lohnt sich ein solches Angebot eher:
  • Kinder essen in der Regel kleinere Gerichte.
  • Gerichte für Kinder sind häufig ohnehin knapp kalkuliert.
  • Familien mit Kindern sind preissensible Gäste. Sie sprechen auf Sonderangebote stark an.
  • Familien mit Kindern kennen häufig insbesondere weitere Familien (über Kindergärten, Schulen, vom Spielplatz usw.). Mundpropganda über günstige Einkaufsquellen hilft Ihnen den Alltag zu meistern.
  • Ein solches Angebot lohnt sich aus Sicht der Eltern weniger für Kleinkinder und Kinder bis 6 Jahren, weil diese ohnehin häufig nur vom Teller der Eltern mitessen oder sie mit mitgebrachten Speisen ("Fläschchen") versorgt werden. Kinder in der Altersgruppe 7 bis 12 Jahren, die sogenannten "Maxis", beeinflussen stark das Ausgabeverhalten ihrer Eltern . In klischeehaft typischen Familien entscheidet die Hausfrau, wann auswärts gegessen wird, weil sie die häuslichen Vorräte verwaltet und kocht. Der berufstätige Ehemann entscheidet, ob das Geld noch reicht für eine solche Ausgabe. Und die Kinder entscheiden, in wenigstens der Hälfe der Fälle, schreibt Prof. McNeals, wohin man essen geht.
  • Kinder lernen in ihrer Jugend Verhaltens- und Konsumweisen, die sie als Erwachsene teilweise beibehalten. Man kann als Gastronom deshalb hoffen, daß sie auch im weiteren Kinder- und Jugendlichenalter und als Erwachsene gerne als Gast einkehren.
  • Eltern oder Alleinerziehende mit Kindern kommen früher als andere Gäste und sie verweilen nicht solange. Damit können sie zur besseren Kapazitätsauslastung beitragen.
  • Kinder sind nicht zuletzt Anlaß für Familienfeiern, bei denen es um sie geht wie Konfirmation, Kommunion, Geburtstage, aber auch mitgeschleppte Teilnehmer anderer Festivitäten.
Wenn Sie ein solches Angebot in Ihrem eigenen Betrieb überlegen, sollten Sie sich überlegen:
  • ob sie das Angebot zeitlich einschränken, um gezielt die Zeiten außerhalb Ihrer Rush Hour zu beleben,
  • ein kostenloses Getränk einschließen oder nicht. Oder sie sprechen mit ihrem Getränkelieferanten oder einem Getränkehersteller, daß er dieses Angebot sponsert, etwa um ein neues Getränk bekannt zu machen und den Erstabsatz zu fördern. Ich würde an Ihrer Stelle auch an Bio-Drinks denken. Es gibt darunter auch Drinks, die Kindern genauso gut schmecken wie Cola, etwa Bionade Holunder oder Neumarkter Lammsbräu AktivMalz. Oder sie machen über eine solche Aktion ein von Ihnen selbst hergestelltes Getränk bekannt, etwa eine selbst hergestellte Limonade, einen Babycino oder ein Milchmixgetränk. Sie können auch, um den Kindern Bewegung zu verschaffen und den Service entlasten, eine oder mehrere Saftboxen der Kelterei Walther aufstellen. Kinder sind verrückt danach, sich selbst Saft zu zapfen.
  • Familienfeiern ausschließen. Dort zahlt in der Regel ein Gastgeber, der seine Entscheidung für einen Betrieb vermutlich nicht davon abhängig macht, ob Kinder unter 12 Jahren kostenlos essen dürfen oder nicht.