Mittwoch, April 11, 2007

BRAU Beviale 2007: Das globale Europa - Foerderprogramm für junge Unternehmen zur BRAU Beviale 2007.

Vom 14. bis 16. November feiert die europäische Getränkewirtschaft auf der BRAU Beviale 2007 ihr herbstliches Branchenfest. Zuletzt folgten 1.437 Aussteller und 36.358 Besucher der Einladung ins Messezentrum Nürnberg, um sich hier über Getränke-Rohstoffe, Technologien, Logistik und Marketing zu informieren.

"Stammgäste" wissen, das Ausstellerverzeichnis der Messe liest sich wie ein "Who?s who" der Branche. 2007 könnte sich allerdings das eine oder andere neue Gesicht unter die bekannten mischen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie legte ein neues Förderprogramm für die Beteiligung junger, innovativer Unternehmen an internationalen Leitmessen in Deutschland auf. Die BRAU Beviale 2007 wurde in dieses Programm aufgenommen. So ist es für besagte Firmen sicher nicht nur finanziell interessant, über eine Teilnahme an der in diesem Jahr international bedeutendsten Fachmesse für die Getränkewirtschaft nachzudenken.

2007 feiert Europa ein wichtiges Jubiläum: Vor 50 Jahren wurden die Römischen Verträge unterzeichnet. Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Italien, Belgien, Luxemburg und die Niederlande legten damals den Grundstein für die Europäische Union, die sich ein halbes Jahrhundert später mit ihren 493 Millionen Bürgern als der größte Wirtschaftsraum der Welt, gemessen am Sozialprodukt, präsentiert.

Der Rückblick auf die vergangenen fünf Jahrzehnte offenbart eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Aus der am 25. März 1957 gegründeten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wurde eine Union mit 27 Mitgliedsstaaten. Heute eint die Europäische Union den Kontinent vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer in Frieden und Freiheit und sichert ein Wohlstandsniveau, wie es die Geschichte Europas nie gekannt hat.

Nationale, regionale, lokale und wenige globale Getränkeunternehmen

Bis Ende des 20. Jahrhunderts lag im alten Handelsblock Europa der Schwerpunkt auf der inneren Integration. Man war der Ansicht, die nationalen Volkswirtschaften verschmelzen durch wirtschaftliche und politische Integration zu einer einzigen europäischen Volkswirtschaft. Folglich sollte es irgendwann auch europäische Kapitalflüsse anstelle nationaler Kapitalflüsse, europäische Unternehmen anstelle nationaler Unternehmen und europäische Marken anstelle nationaler Marken geben.

Als der Vorläufer der heutigen Europäischen Fachmesse für die Getränkewirtschaft BRAU Beviale, ein "Fortbildungslehrgang für Brauereibesitzer, Braumeister, Brautechniker und Nachwuchskräfte" Ende der 50er Jahre erstmals in Bamberg stattfand, gab es kaum national operierende Getränkeunternehmen, geschweige denn eine europäische Getränkeindustrie. Damals teilten sich lokal oder regional distributierende Brauereien und Getränkeabfüller die Märkte. Von Sizilien bis Sylt, herrschte eine ungestillte, steigende Nachfrage nach Getränken. Die Unternehmen der Getränkewirtschaft profitierten von der inneren Integration im Handelsblock Europa kaum. Die Welle der Konsolidierung hinterließ keine europäischen Getränkeunternehmen, sondern nationale, regionale, lokale und wenige globale. Selbst die Getränkeunternehmen, die man aufgrund ihres Hauptsitzes und ihrer Börsennotierung als "europäisch" bezeichnen möchte, sind bei näherer Betrachtung längst als globale Konzerne einzustufen. Zwar nutzten sie die historische Chance, die sich durch den Fall des Eisernen Vorhangs eröffnete. Gleichzeitig nahmen sie aber auch alle Möglichkeiten zur Expansion wahr, die sich ihnen in anderen Regionen dieser Welt boten.

Aus der inneren Integration Europas, die zum Abbau von Handelsbarrieren beim Export und bei Investitionen führte, zog der Binnenhandel großen Nutzen. Von 1960 bis 2003 wuchs der Handel zwischen den EU-15 fast doppelt so schnell wie der mit allen anderen Ländern. Seit der Vollendung des Binnenmarktes 1992 stieg der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen den EU-15 um 40 Prozent. Durch die EU-Erweiterung konnte der Binnenmarkt expandieren und sich der Handel zwischen den EU-15 und den neuen Mitgliedsstaaten seit 1993 verdoppeln (G. Brown, Schatzkanzler der Regierung Blair, "Global Europe" (PDF), 2005). Der EU-Binnenmarkt sei das Rückgrat des Wachstums. Das zeige sich am Wirtschaftswachstum (2,7 % 2006 und das höchste seit 2000), an der niedrigen Inflationsrate seit Einführung des Euro und der nun endlich fallenden Arbeitslosigkeit, so Benita Ferrero-Waldner, EU-Kommissarin für Außenbeziehungen ("Globalisierung managen!", 2006). Seit 1992 hätten europäische Unternehmen 2,5 Mio. Jobs geschaffen und 877 Mrd. EUR an zusätzlichem Wohlstand erwirtschaftet. Ohne den Binnenmarkt wäre das Wirtschafts-wachstum jährlich 2 % geringer ausgefallen.

Europa nach wie vor wichtiger Markt für Getränketechnologie

Auch die Zulieferindustrie der Getränkewirtschaft zählt zu den Gewinnern der Integration Europas. Laut Schätzungen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) exportierten die Hersteller von Verpackungsmaschinen 2006 fast 34 % in die EU-Länder. Bei den französischen und italienischen Firmen, die in dieser Branche ebenfalls führend sind, sprechen die Zahlen eine noch deutlichere Sprache: 2005 setzten französische Hersteller von Verpackungsmaschinen 47 % ihrer Anlagen in der EU ab, die italienischen Hersteller 42 %. Addiert man europäische Nicht-EU-Länder hinzu, so betrug die Europa-Exportquote deutscher Maschinen- und Anlagenbauer 52 %, französischer 59 % und italienischer 58 %.

Unter den Zulieferfirmen der Getränkewirtschaft dominieren nach wie vor europäische Anbieter. Dies ist dem Wegfall nationaler Protektionismen ebenso zuzuschreiben wie dem daraus resultierenden pan-europäischen Wettbewerb, der die Unternehmen zu kontinuierlicher Innovation angespornt hat. Die Aussteller der BRAU Beviale haben über Jahrzehnte am Qualitätsmythos "Made in Europe" mitgearbeitet, einem ideellen Gütesiegel für technologischen Fortschritt bei steigendem Wettbewerbsdruck.

Wie können Firmen der Getränkewirtschaft und der Zulieferindustrie künftig ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten? Die europäische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie mit mehr als 26.000 Firmen, 2,7 Mio. Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 600 Mrd. EUR stellt nach Schätzungen der EU-Kommission den drittgrößten Industriezweig in der EU dar. Folglich ist es für die Getränkewirtschaft von vitalem Interesse, wie ihre Zulieferindustrie dem globalen Wettbewerbsdruck bei der Produktion von High-Tech-Gütern, aber auch bei arbeitsintensiven Waren und Dienstleistungen begegnen wird, so die Arbeitsgruppe "Globalization and the European economic and social model" (PDF) des Europäischen Parlaments (2006).

Unbestritten bescherte die wirtschaftliche Entwicklung in Mittelost-, Ost- und Südosteuropa, die mit einer deutlichen Steigerung des Getränke-konsums einherging, den Unternehmen der Zulieferindustrie über Jahre hinweg volle Auftragsbücher. Aber auch die Unternehmen in den reifen Märkten Westeuropas investierten in neue Maschinen, Anlagen und Technologien, um trotz des verschärften Wettbewerbs ihre Margen zu halten. Die VDMA-Zahlen zeigen: Auch 2006 überwogen Exporte von Verpackungsmaschinen ins "alte" Europa (84 %) gegenüber denen in die 10 neuen Mitgliedstaaten (16 %).

Europa im globalen Wettbewerb: Rasantes Innovationstempo

Wie es um die Innovationsfähigkeit von Volkswirtschaften bestellt ist, darüber gibt eine Reihe von Indikatoren Auskunft: die Zahl der Forscher je 1.000 Mitarbeiter, die Ausgaben für Forschung & Entwicklung (F&E) in % des BIP oder die Triade Patente (Patente, die in Europa, Japan und den USA registriert werden) je Mio. Einwohner. Betrachtet man die EU als eine Volkswirtschaft und vergleicht sie mit den USA, dann hat die Union der Industrie- und Arbeitgeberverbände Europas UNICE (Union des Conféderations de l'Industrie et des Employeurs d'Europe) Recht in ihrer 2006-er Einschätzung: Die Ergebnisse der EU sind enttäuschend. Nur 1,2 % des BIP werden in der EU für Forschung und Entwicklung ausgegeben, 1,9 % in den USA. Triade Patente lagen in der EU bei 35, in den USA bei 63. Beim Vergleich der Forscher-Anzahl ? 2,8 in der EU und 7,5 in den USA ? hinkt die EU ebenso deutlich hinter den USA her.

Gerade das geringe Gesamtaufkommen für F&E gibt Anlass zur Sorge: So stellten die EU-Parlamentarier fest: In der EU sei bei den Investitionen in F&E nahezu eine Stagnation festzustellen. Wenn sich dieser Trend fortsetze, lägen die F&E-Investitionen 2010 bei 2,2 % des BIP (UNICE, 2006). Das ist deutlich unter der Marke von 3 %, die in der Lissabon-Strategie von 2000 festgeschrieben wurde, mit deren Hilfe sich die EU bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt entwickeln soll.

Im Fall der europäischen Getränkewirtschaft und ihrer Zulieferindustrie haben die EU-Durchschnittswerte nur bedingt Aussagekraft. Hinsichtlich der Innovationsindikatoren schneiden einzelne europäische Volkswirt-schaften deutlich besser ab als etwa die USA. Deutschland stehe weltweit an 6. Stelle (hinter Finnland, Schweden, Dänemark, Japan und Belgien), was die Zahl aller Mitarbeiter in Unternehmensforschungsstellen betreffe, so die Deutsche Bank Research (2004). Auch wollen deutsche Unternehmen ihre Ausgaben für Innovationen weiter steigern. Bei den Triade Patenten liegt Deutschland an 5. Stelle weltweit, hinter der Schweiz, Finnland, Japan und Schweden, aber vor den USA. Die Bedingungen für Innovationen seien in Deutschland sehr gut, weshalb das World Economic Forum Deutschland als fünftbestes Land in seinem Global Competitiveness Report 2003/2004 auszeichnete.

Ungeachtet dieser Einschätzung, werden die Stimmen nicht leiser, die nach einer verstärkten Förderung der Innovationskapazität der EU rufen. Nur durch mehr Forschung und Innovation könne Europa, trotz seines relativ hohen Lohnniveaus, global wettbewerbsfähig bleiben. Global ist hier das Stichwort: In der Vergangenheit begünstigten die innere Integration Europas und der Binnenmarkt die Ausbildung von Handlungsdruck. Dieser wiederum beeinflusste die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen positiv ? auch in der europäischen Getränke- und Zulieferindustrie. Heute gerät dieses Kreislaufmodell außerhalb Europas ins Stocken. Wie Gordon Brown schrieb, ist der Wettlauf mit Asien kein "race to the bottom", sondern ein "race to the top". China und Indien "produzieren" jährlich mehr als eine Million neuer Ingenieure und Naturwissenschaftler. Mittelfristig möchten Indien und China den Europäern im Güter- und Dienstleistungsbereich den Rang ablaufen ? und zwar nicht nur im Low-Tech-Bereich, sondern auch auf dem Gebiet von Gütern und Dienstleistungen mit hohem Mehrwert. Europäische Anbieter von Getränketechnologien haben die Ambitionen der neuen Wirtschaftsmächte bereits erleben können: Seit einiger Zeit beteiligen sich beispielsweise Anbieter aus Indien an Ausschreibungen von Brauereien.

Im globalen Zeitalter, argumentiert Schatzkanzler Brown, könnten wir uns keinen Stillstand leisten. Europa müsse seine Chancen nutzen und die europäische Wirtschaft zurückbringen auf den Pfad der Reform, der Modernisierung und des Wachstums. Das gilt auch für die europäische Getränkewirtschaft und ihre Zulieferindustrie, die längst die Zeichen erkannt haben. In Zukunft wird es in Europa nicht mehr nur darum gehen, mit Innovationen die Produktivität zu steigern und so mit den wesentlich geringeren Löhnen und mit den kostengünstigen Produkten der Schwellenländer zu konkurrieren. Es wird viel stärker darum gehen, das Innovationstempo wesentlich zu beschleunigen, um im globalen Wettbewerb mitzuhalten. Davon können sich Fachbesucher auf der BRAU Beviale vom 14. bis 16. November 2007 im Messezentrum Nürnberg überzeugen.

(Quelle: Pressemitteilung der Nürnberg Messe).