Freitag, April 27, 2007

Polemische Schilderungen der Tarifsituation helfen Niemand.

Erfurt, 27. April 2007 /
"Die Gewerkschaft NGG sollte mit Äußerungen über das Tarifgefüge im Thüringer Hotel- und Gastgewerbe wenigstens die reale Situation wiedergeben"
fordert Gudrun Münnich, Präsidentin des DEHOGA Thüringen in Antwort auf die gestrige Äußerung der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten, bei der Eröffnung der Bundesgartenschau mit einer Flugblattaktion auf "Niedriglöhne im Thüringer Hotel- und Gastgewerbe hinzuweisen".
"Die 'Niedriglöhne' wurden schließlich zwischen den Tarifpartnern auch eingedenk der Situation der seit Jahren rückläufigen Umsätze im Thüringer Hotel- und Gastgewerbe verhandelt. Insofern stellt die Gewerkschaft ihre eigene Position in Frage,"
ergänzt Dirk Ellinger, Geschäftsführer des DEHOGA Thüringen.
"Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es eben unserem Gewerbe, insbesondere mit Blick auf die ständigen Kostensteigerungen und auch die Mehrwertsteuererhöhung, kaum möglich ist, Preissteigerungen am Markt durchzusetzen um damit Spielraum für Steigerungen des Entgeltes zu haben. In der Vergangenheit wurden immer Tariferhöhungen am Rande der Möglichkeiten vereinbart. Im Jahr 2006, als die Forderung der NGG nach einer Erhöhung um mehr als 13 Prozent kam, war dies völlig fern jeglicher wirtschaftlicher Realität. Aber auch da hat unsere Tarifkommission durch Gespräche mit den Mitarbeitern, die durchaus dem Gedanken einer Arbeitszeitverlängerung näher treten konnten, versucht einen Kompromissvorschlag zu finden,"
so Ellinger weiter.

Dazu muss ausgeführt werden, dass die in die Öffentlichkeit entlassenen Zahlen seitens der NGG dem Entgelttarifvertrag nicht entsprechen. Die Bewertungsgruppe 1, welche ein Stundenentgelt von 5,09 Euro pro Stunde umfasst, findet praktisch, und dies ist in den Tarifverhandlungen unstreitig gestellt, keine Anwendung, da kein Arbeitnehmer nach ihr bezahlt wird. Insofern liegt das Einstiegsentgelt in der Bewertungsgruppe 2 bei 173 Stunden pro Monat, für eine Hilfstätigkeit, wo nur geringe fachliche Kenntnisse vorhanden sind, die durch Anleitung erworben wurden. Auch diese Mitarbeiter sind im Thüringer Hotel- und Gastgewerbe äußerst selten beschäftigt und würden 5,96 Euro erhalten.

Bei dem Entgelt für einen Facharbeiter nach dreijähriger Lehrzeit, als Einstiegsentgelt, werden gemäß dem in der Nachwirkung befindlichen Entgelttarifvertrag 7,36 Euro pro Stunde gezahlt.

Die Forderung der NGG im Jahr 2006 betrug 13,18 Prozent, bezogen auf die Ecklohngruppe 5.

Im Gegenzug wurde seitens des DEHOGA Thüringen eine Anhebung der Bezüge von sechs Prozent, bei gleichzeitiger Anhebung der Arbeitszeit um zwei Stunden pro Woche angeboten.
"Darüber war die NGG in keiner Weise bereit zu verhandeln. Insofern ist gerade der Grund für das seitens der NGG angemahnte Stocken der Tarifverhandlungen keineswegs auf der Arbeitgeberseite zu suchen,"
erklärt Gudrun Münnich zur derzeitigen Situation.
"Der DEHOGA Thüringen
so Münnich weiter,
"wird sich Tarifverhandlungen und realistischen Abschlüssen eines Entgelttarifvertrages nicht verweigern und im Rahmen der, wenn auch leider nur geringen Spielräume, nach Lösungen suchen, weil auch die Arbeitgeber wissen, dass das Wichtigste im Unternehmen unsere Mitarbeiter sind."
(Quelle: Pressemitteilung des DEHOGA Thüringen).