Donnerstag, April 19, 2007

Totalitaere Gesundheitskontrolle.

Von einem Leser wurde ich gefragt, warum ich denn Rauchverbot und Mindestlohn so häufig thematisiere. Ich habe ihm erklärt, daß ich solche Themen, von denen ich annehme, daß sie einmal wichtig werden könnten, gerne vorzeitig besetze und mich dann hart, eindeutig, schroff, polarisierend positioniere, um Diskussionen zu fördern, Aufmerksamkeit zu erheischen und Argumente einzubringen.

Natürlich habe ich damit die Folgefrage provoziert, was denn die Kandidaten für Themen seien, die in Zukunft interessant sein werden.

Meines Erachtens wird ein großes Thema, das was ich "totalitäre Gesundheitskontrolle" bezeichnen möchte, weil ich noch nicht weiß, unter welchem Schlagwort es diskutiert werden wird.

Was meine ich damit? Zwei Szenen sollen es beschreiben:
  • Vor einigen Wochen lief bei Arte eine dreiteilige Dokumentation "2057 - Unser Leben in der Zukunft". In der ersten Folge "Der Mensch" wurde die Welt zukünftiger Gesundheitsvorsorge beschrieben. Der Held dieser Folge konnte eine für ihn bezahlbare Krankenversicherungsprämie nur bekommen, wenn er akzeptierte, daß er sich "vernünftig" ernährt. Seine Toilette ermittelt automatisch Daten aus seinem Urin, die der Krankenkasse automatisch gemeldet werden. Als er Alkohol getrunken hat und verunglückt, weigert sich die Krankenversicherung ihm eine lebenserhaltende Operation zu finanzieren.
  • In der heutigen Printausgabe der "Süddeutschen Zeitung" wird über ein Projekt von BMW gelesen (auf der Website finde ich den Artikel leider nicht). Auf freiwilliger Basis können sich Mitarbeiter von BMW einem Gesundheitscheck unterziehen. Wer z.B. zu fett ist, bekommt Tips, was er dagegen tun kann. In der Kantine werden Speisen mit farbigen Symbolen gekennzeichnet. Schweinebraten bekommt ein rotes Etikett und sollte dann für zu fette Menschen tabu sein. Die Betriebskrankenkasse der BMW AG gewährt Bonuspunkte für Früherkennung und Prävention.
Ob man diese Tendenz zur gesundheitsbewußten Ernährung als "totalitär" bezeichnen sollte, darüber läßt sich streiten. Es braut sich jedoch eine Phalanx von Gutmenschen, Verbraucherschützern, Meinungsmachern, Politikern zusammen, die den Menschen erst einmal nur gut zu reden. Dahinter deutet sich ein Meer von Geboten, Verboten und letztlich auch Strafen an, die vom Staat und den Krankenversicherungen verhängt werden. Stichworte, die heute schon diskutiert werden oder bereits Realität sind:
  • Ermäßigungen bei den Krankenversicherungsprämien für Mitglieder, die an Präventionsprogrammen teilnehmen,
  • Alkoholverbot für Jugendliche,
  • steigende Anforderungen an das Catering in Kindertagesstätten und Schulen,
  • Rauchverbot,
  • höhere Steuern für Alkohol,
  • Verbot von Trans-Fetten,
  • Kennzeichnungspflicht von Nährwerten.
  • Ausweis gentechnisch veränderter Lebensmittel.
  • Krankenversicherungspflicht.
  • Abtreibung von behinderten Kindern.
Ob es wirklich 40 Jahre dauert, bis man diejenigen, die sich "falsch" verhalten, verrecken läßt, wenn sie eine medizinischen Behandlung nötig haben?

Die Gastronomie ist als Anbieter von Lebensmitteln und Getränken, aber auch als Ort, an dem sich Menschen verhalten, in vielfältiger Weise betroffen. Ihr bieten sich Chancen und Risiken. Viel Stoff für die nächsten Jahre.